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Wellpappe Industrie: Solides Wachstum, aber extremer Kostendruck

19. Mai 2022 von Birgit Fischer

Seit zwei Jahren ist die heimische Wellpappe Industrie im Dauereinsatz: Erst die enorme Nachfrage nach Wellpappe Verpackungen während der Pandemie, dann monatelange, extreme Preissprünge bei Rohpapier, und aktuell belastet die angespannte Lage am Energie- und Rohstoffmarkt die Branche erneut.

Stephan Kaar, Sprecher Forum Wellpappe Austria | Foto: Forum Wellpappe/APA-Fotoservice/Schedl

Diese Situation fordert all unsere Kräfte. Die Pandemiepläne haben sich bewährt und helfen uns auch in der derzeitigen Situation. Wir haben unsere Lieferketten bestmöglich abgesichert.

Stephan Kaar, Sprecher Forum Wellpappe Austria

Die Nachfrage nach Verpackungen aus Wellpappe ist ungebrochen. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen für die ersten drei Monate 2022: Beim mengenmäßigen Absatz in Millionen Quadratmeter verzeichneten die fünf Mitgliedsunternehmen des Forum Wellpappe Austria ein solides Wachstum von plus 3,9 Prozent. In absoluten Zahlen ist das eine Fläche von 270 Millionen Quadratmetern. In Tonnen ist eine Steigerung von 4,5 Prozent zu verzeichnen (129.600 Tonnen).

Wellpappe ist Transportverpackung Nr. 1

„Ohne Verpackungen aus Wellpappe wäre der moderne Warenverkehr heute nicht machbar“, sagt Kaar. „Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass wir systemrelevant sind.“ Über zwei Drittel aller in Österreich transportierten Waren werden in Wellpappe verpackt. „Das macht die Wellpappe zur Transportverpackung Nr.1“, so Kaar.

Wellpappe-Industrie: Moderates Wachstum, aber extremer Kostendruck | Foto: Forum Wellpappe/APA-Fotoservice/Schedl
Wellpappe-Industrie: Moderates Wachstum, aber extremer Kostendruck | Foto: Forum Wellpappe/APA-Fotoservice/Schedl

Einen wesentlichen Anteil daran hat die gestiegene Nachfrage aus der Lebensmittel-, Getränke- und Konsumgüterindustrie (54 Prozent), gefolgt von Möbel, Elektronikteilen, Maschinen und Fahrzeugen (19 Prozent), sowie Logistik und Onlinehandel (12 Prozent).

Produktion massiv unter Druck

Anhaltende Probleme mit den Lieferketten und Preissprünge bei Rohmaterialien bringen die Betriebe derzeit massiv unter Druck. So kam es seit Anfang des Jahres 2021 bei Rohpapier – dem wichtigsten Rohstoff für Wellpappe – zu Preissprüngen von bis zu 70 Prozent. Dazu kommen die extrem stark gestiegenen Preise für Strom, Gas, Logistik, Stärke, Farben und Paletten aufgrund der aktuell angespannten Lage am internationalen Energiemarkt.

„Das verschärft den Preisdruck enorm. Wir sind gefordert wie nie zuvor, um die Versorgung mit Wellpappe-Verpackungen sicherzustellen“ sagt Stephan Kaar. Aufgrund der laufenden Preiserhöhungen bei Rohstoffen gab es auch Anpassungen beim Wellpappe-Preis. Derzeit ist noch keine Besserung in Sicht“, so Kaar.

Lage der Beschäftigten: stabil

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die heimische Wellpappe-Industrie ein stabiler und sicherer Arbeitgeber. „Jobs in der Wellpappe-Branche sind derzeit gefragt“, sagt Florian Döbl vom Forum Wellpappe Austria. Denn mit der erhöhten Nachfrage nach Verpackungen steigt auch der Bedarf nach gut ausgebildeten Fachkräften.

„Neben Positionen in der Entwicklung und Produktion werden auch Mitarbeiter:innen für Vertriebsaufgaben gesucht“, so Döbl. „Denn dort, wo es um Verkaufsverpackungen aus Wellpappe geht, spielt die Beratung eine immer größere Rolle.“ Insgesamt beschäftigt die Branche derzeit rund 1.900 Mitarbeiter:innen und bildet Jahr für Jahr 80 Lehrlinge in 14 Lehrberufen aus.

Wellpappe: 25 Mal im Kreislauf

Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind bei Konsument:innen und Unternehmen deutlich angekommen und trotz Pandemie immens präsent. Das wachsende Umweltbewusstsein führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Wellpappe. Recyclingpapier, Bruch- und Durchforstungsholz sind die wichtigsten Rohstoffe für Wellpappe-Rohpapiere. „Wer sich für Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen entscheidet, schont die fossilen Ressourcen unserer Erde und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Stephan Kaar.

Verpackungen aus Wellpappe sind zu 100 Prozent faserbasiert und somit vollständig recycelbar. Das heißt, die Faser bleibt bis zu 25 Mal im Kreislauf – wie jüngst eine Studie der TU Graz bestätigt hat – und kann daher mehrmals zu neuer Wellpappe weiterverarbeitet werden. Auch im Onlinehandel spielt Wellpappe ihre Stärken aus. Laut einer Studie des deutschen bifa Umweltinstituts ist die CO2-Bilanz von Versandverpackungen aus Wellpappe besser als Mehrweg-Boxen aus Kunststoff.

Forum Wellpappe Austria

Das Forum Wellpappe Austria ist das Sprachrohr der österreichischen Wellpappe Industrie und vertritt die Interessen der Unternehmen DS Smith Packaging Austria GmbH, Dunapack Mosburger GmbH, Mondi Grünburg GmbH, Rondo Ganahl Aktiengesellschaft und Steirerpack GmbH.

Kategorie: News, Verpackung Stichworte: Verpackung, Warenverkehr, Wellpappe

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