• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Elefantenrüssel als Vorbild für bionischen Roboterarm

Elefantenrüssel als Vorbild für bionischen Roboterarm

3. April 2023 von Birgit Fischer

Ein Elefantenrüssel diente als Vorbild für den von der Universität des Saarlandes und Festo entwickelten beweglichen bionischen Roboterarm. Er kommt gänzlich ohne schwere Metallkonstruktion aus, verbraucht nur wenig Strom und kann gefahrlos mit Menschen zusammenarbeiten.

Doktorand Yannik Goergen hat den bionischen Roboterarm im Rahmen seiner Promotion entwickelt. | Foto: Oliver Dietze
Doktorand Yannik Goergen hat den bionischen Roboterarm im Rahmen seiner Promotion entwickelt. | Foto: Oliver Dietze

Künstliche Muskeln und Nerven aus der Formgedächtnislegierung Nickel-Titan machen den Roboterrüssel wendig und beweglich wie ihr tierisches Vorbild. Sie sind aber wesentlich leichter, unermüdlicher und präzise steuerbar.

Die Technologie zeigt das Forschungsteam auf der Hannover Messe vom 17. bis 21. April (Halle 002, Stand B34).

Roboterarm ohne „Knochen“

Industrieroboter sind heute ebenso kraftvoll, flink und präzise wie schwer und lebensgefährlich. Menschen, die mit ihnen arbeiten, müssen sich in Acht nehmen, sonst hat ein Rempler schnell schmerzhafte Folgen. Damit sie mit dem Menschen Seite an Seite und Hand in Hand arbeiten können, müssen Roboter softer sein. Einen Roboterarm, der gänzlich ohne schwere Metallkonstruktion auskommt, entwickelt das Forschungsteam um den Spezialisten für intelligente Materialsysteme Professor Stefan Seelecke von der Universität des Saarlandes (UdS).

Die Saarbrücker Forscher folgen dabei dem Vorbild der Natur: dem Elefantenrüssel. „Dieses Erfolgsmodell hatte Jahrmillionen Zeit, auszureifen, und sich in der Praxis zu bewähren“, erklärt Stefan Seelecke. Der schlanke Roboterrüssel, den sie entwickeln, kann schwingend pendeln und schlenkern, sich in alle Richtungen biegen. Anders als die heutigen schweren, metallenen Roboterarme ist er nicht an sperrige Gelenke gebunden, die Bewegungen nur in bestimmte Richtungen zulassen. Wie sein tierisches Vorbild kommt der Roboterrüssel ohne „Knochen“, also ohne starres Metallgerüst aus. Er ist wendig allein durch das geschickte Zusammenspiel seiner künstlichen Muskeln.

Prof. Dr. Stefan Seelecke, Lehrstuhl für intelligente Materialsysteme | Foto: Oliver Dietze

Unsere intelligenten Materialsysteme machen biegsame und weiche Roboterwerkzeuge möglich, die erheblich leichter und flexibler sind als heutige technische Bauteile. Sie brauchen keine Motoren, Hydraulik oder Druckluft, sondern funktionieren mit vergleichsweise wenig elektrischem Strom. Das macht diese Robotertechnologie im Betrieb nachhaltig, kostengünstig und auch leise.

Prof. Dr. Stefan Seelecke, Lehrstuhl für intelligente Materialsysteme

Sein Forschungsteam arbeitet an der Universität des Saarlandes und am Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik Zema an verschiedenen Arten von künstlichen Muskeln für smarte Roboterrüssel und -tentakel. Sowohl intelligente Kunststoffe wie auch Formgedächtnislegierungen setzen die Ingenieure hierzu ein. Auf der Hannover Messe zeigt das Team seinen neuen Prototyp mit Formgedächtnis: Der etwa 30 Zentimeter lange Rüssel demonstriert sein Können mit Muskeln und Nerven aus Nickel-Titan-Drahtbündeln. „Die Technologie ist skalierbar, sie funktioniert auch für große Industrieroboter“, sagt Seelecke.

Künstliche Muskeln aus Nickel-Titan-Drähten

Künstliche Muskeln aus Nickel-Titan-Drähten können wie Muskeln von Lebewesen kontrahieren: Auf Befehl verkürzen sie sich, ziehen sich also zusammen, und dehnen sich wieder aus, entspannen also. Diese außergewöhnliche Fähigkeit von Nickel-Titan beruht auf dem Phänomen des Formgedächtnisses dieser Legierung: Sie erinnert sich an ihre ursprüngliche Form. Wird ein solcher Draht erwärmt, etwa indem Strom hindurchfließt, verkürzt er sich. Wird der Strom abgeschaltet, kühlt er ab und wird wieder lang. Der Grund liegt im Kristallgefüge der Legierung: „Durch Erwärmen kommt es hier zu Festkörperphasenumwandlungen“, erklärt Professor Paul Motzki, der mit Stefan Seelecke forscht und mit „Smarte Materialsysteme für innovative Produktion“ eine Brückenprofessur zwischen Universität des Saarlandes und Zema innehat. Anders als etwa bei Wasser, das bei Erwärmen gasförmig wird, bleibt Nickel-Titan zwar fest, aber der feste Zustand, seine Kristallstruktur, wandelt sich um.

Die Forscher setzen den Rüssel aus vielen der künstlichen Muskelstränge zusammen. Wie echte Muskelfasern, die in Bündeln zusammengefasst sind, bündeln sie dafür auch die haarfeinen Drähte. Drahtbündel geben durch die größere Oberfläche mehr Wärme ab, was die Kontraktionen schneller macht. Und stark sind sie auch:

Prof. Dr. Paul Motzki, Professur Smarte Materialsysteme für innovative Produktion | Foto: Oliver Dietze

Die Drähte haben die höchste Energiedichte aller bekannten Antriebsmechanismen und entwickeln hohe Zugkraft. Das macht es uns auf kleinstem Raum möglich, starke Antriebstechniken unterzubringen, was sonst unmöglich wäre.

Prof. Dr. Paul Motzki, Professur Smarte Materialsysteme für innovative Produktion

Indem sie mehrere dieser Drahtbündel in bestimmten Abständen durch eine Reihe runder, dünner Kunststoffscheiben fädeln, halten die Drahtbündel Abstände ein und es entsteht ein Rüsselsegment. Die Forscher setzen mehrere dieser Segmente zusammen, deren Scheiben zum Ende des Rüssels hin kleiner werden.

Durch elektrische Impulse können die Forscher im Rüssel die Muskeln spielen lassen. Verkürzen sie die künstlichen Muskelstränge auf einer Seite in einem Muskelsegment, biegt sich der Rüssel an dieser Stelle im gewünschten Winkel nach außen. Das Zusammenspiel der Drahtbündel bringt dabei wie eine Beuge- und Streck-Muskulatur fließende Bewegungsabläufe hervor. Ohne zusätzliche Sensoren können die Forscher den Rüssel hochpräzise und schnell ansteuern, so dass er beliebige Bewegungen vollführt. Die künstlichen Muskeln dienen dabei zugleich als Nerven des Systems – die Drähte selbst haben Sensoreigenschaften.

„Jede Verformung der Drähte bewirkt eine Änderung des elektrischen Widerstands und lässt sich präzisen Messwerten zuordnen. Anhand der Messwerte wissen wir genau, in welcher Position welches der Drahtbündel gerade verformt ist, und können so auch sensorische Daten ablesen“, erklärt Doktorand Yannik Goergen, der den Rüssel im Rahmen seiner Promotion entwickelt hat. Die Ingenieure modellieren und programmieren mit diesen Werten Bewegungsabläufe, entwickeln hierfür intelligente Algorithmen und trainieren so den bionischen Rüssel. Seine Spitze können sie mit zusätzlichen Funktionen ausstatten: etwa einem Greifer oder einem Kamerasystem. Auch könnte der Rüssel einen Schlauch tragen, der präzise Flüssigkeiten abgibt oder abpumpt.

Hintergrund

Die Forscher arbeiteten beim bionischen Rüssel zusammen mit der Festo-Unternehmensgruppe. An der Technologie forschen auch viele Doktoranden im Rahmen ihrer Doktorarbeiten. Sie ist Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und wurde im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte gefördert: so förderte etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG SPP 2100 Soft Materials Robotics) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz diese Forschung (im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand ZIM, Projekt „AutoEndoskop“ – Inspektion von komplexen Bauteilen, Turbinen).

Die Ergebnisse der anwendungsorientierten Forschung wollen die Forscher in die Industriepraxis bringen, hierzu haben sie aus dem Lehrstuhl heraus die Firma mateligent GmbH gegründet.

Kategorie: Forschung, News Stichworte: Bionik, Elefant, Festo, Roboter

Weitere Nachrichten

Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Im Rahmen aktueller Forschungsarbeiten an der University of California San Diego ist ein neues Verfahren zum Pflanzenschutz entwickelt worden, das auf einer sprühbaren Polymerbeschichtung basiert. Die Technologie zielt darauf ab, Nutzpflanzen vor … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Die Selectchemie AG hat eine Vereinbarung über den Verkauf ihres Nutrition Geschäftsbereichs an TER Chemicals unterzeichnet. Mit dem Übergang von Selectnutrition an den familiengeführten internationalen Distributor für Spezialchemikalien und … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Ein integriertes Bioraffineriekonzept zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff aus Restbiomasse der Tomatenproduktion steht im Zentrum des EU-Projekts ToFuel. Unter der Koordination der Technischen Universität Graz entwickelt ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • SIGEP WORLD

    Die SIGEP WORLD ist eine der international führenden Fachmessen für die Foodservice-Branche und vereint die Bereiche Gelato, Patisserie & […]

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Markus Büngers übernimmt CEO-Position bei HASCO
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Markus Büngers hat zum 01. Januar 2026 die Position des CEO der HASCO Hasenclever GmbH + Co. KG übernommen. Nach einer Übergangsphase unter Thomas Karazmann setzt das Unternehmen auf interne Nachfolge, strategische Kontinuität und langfristige […]

  • SYNEQT bündelt Chemiepark-Infrastruktur
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit dem Start der SYNEQT GmbH führt Evonik seit Jahresbeginn die Infrastruktur-Aktivitäten der Chemieparks Marl und Wesseling zusammen. Rund 3.500 Beschäftigte und ein Umsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro machen SYNEQT zu einem der größten […]

  • PSI entwickelt Verfahren für stabile, langlebige Festkörperbatterien
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Festkörperbatterien werden am Paul Scherrer Institut PSI mit einem neuen Verfahren stabiler und langlebiger. Durch mildes Sintern des Elektrolyten und eine gezielte Grenzflächenstabilisierung lassen sich Dendritenbildung und Leistungsabfall […]

  • Ganzheitliche Prozesslösungen für die Kunststoffverarbeitung
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Auf der PlastIndia 2026 präsentiert Coperion ganzheitliche Prozesslösungen für Compoundieren, Recycling und Polyolefine. Gezeigt werden Einzelkomponenten und Gesamtanlagen aus einer Hand, die auf effizienten Betrieb, hohe Zuverlässigkeit, […]

  • BASF nimmt Steamcracker in Zhanjiang termingerecht in Betrieb
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der Steamcracker am neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang ist termingerecht in Betrieb gegangen, nutzt für seine Hauptkompressoren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen und liefert jährlich bis zu eine Million Tonnen Ethylen für […]

  • Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Volker Nilles hat am 12. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung von ARBURG übernommen und die sechsköpfige Führungsspitze des Maschinenbauers ergänzt. The post Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung appeared first on […]

  • Ultramid®-Polyamid besteht Langzeitanforderungen der E-Mobilität
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die glasfaserverstärkte, halogenarme Ultramid®-Type von BASF wird für Anwendungen der E-Mobilität unter Hydrolysebedingungen in Wasser-Glykol geprüft. Mithilfe von Arrhenius-Analysen lassen sich die Materialeigenschaften auf Einsatzzeiten von […]

  • Brenntag stärkt Partnerschaft mit Women in Chemicals weltweit
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Die Partnerschaft zwischen Brenntag und Women in Chemicals wird 2026 global ausgebaut. Ziel ist es, Gleichstellung, berufliche Entwicklung und Vernetzung von Frauen in der chemischen Industrie durch internationale Programme, Konferenzen und […]

  • Neue Recyclingpfade für leistungsfähige Geokunststoffe
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt Zirk-Tex des Fraunhofer CCPE entstehen neue Ansätze zur Herstellung von Geokunststoffen und Dachbahnen aus bislang ungenutzten Kunststoffabfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. The post Neue Recyclingpfade für […]

  • 40 Jahre wire Düsseldorf prägen die globale Drahtindustrie
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die wire Düsseldorf feiert 40 Jahre als globale Leitmesse der Draht- und Kabelindustrie. Mit Wachstum, Internationalität und neuen Formaten wie dem wire & Cable FORUM setzt die wire 2026 weitere Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag