• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Cyanobakterien als „grüne“ Katalysatoren in der Biotechnologie

Cyanobakterien als „grüne“ Katalysatoren in der Biotechnologie

5. Oktober 2020 von Helmut Mitteregger

Forschende der TU Graz und der Ruhr-Universität Bochum zeigen im Fachjournal ACS Catalysis, wie sich die katalytische Aktivität von Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, erheblich steigern lässt. Damit rückt die biotechnologische und somit umweltfreundliche Anwendung einen großen Schritt näher.

Cyanobakterien, die – obwohl sie Wasser durch ihre speziellen Pigmente grün färben – umgangssprachlich auch als „Blaualgen“ bekannt sind, wandeln dank ihrer hochaktiven photosynthetischen Zellen Lichtenergie besonders effektiv in chemische Energie um. Das macht sie attraktiv für den biotechnologischen Einsatz, wo sie mit gezielt eingeschleusten Enzymen als umweltfreundliche und gut verfügbare Biokatalysatoren zur Herstellung neuer Chemikalien genutzt werden könnten.

Limitierende Lichtverfügbarkeit

Was in der Theorie gut klingt, steht in der praktischen großtechnologischen Umsetzung noch vor Hürden: Ein entscheidender limitierender Faktor ist derzeit die Lichtverfügbarkeit, wie Robert Kourist vom Institut für Molekulare Biotechnologie der TU Graz erläutert: „Wenn Cyanobakterien dicht gewachsen, also hochkonzentriert sind, dann bekommen nur die außen angesiedelten Zellen genug Licht. Innen ist es ziemlich dunkel. Das heißt, man kann die Katalysatormenge nicht beliebig steigern. Ab einer Zelldichte von wenigen Gramm pro Liter nimmt die photosynthetische Aktivität und damit die Produktivität der Zellen stark ab. Das ist natürlich für die biotechnologische Großproduktion ein erheblicher Nachteil.“
Zum Vergleich: Bisher etablierte Biokatalysatoren wie etwa Hefen können mit Zelldichten von 50 Gramm pro Liter und mehr genutzt werden. Die etablierten Produktionsorganismen haben dafür den großen Nachteil, dass sie auf landwirtschaftliche Produkte als Wachstumsgrundlage angewiesen sind und damit viele Ressourcen verbrauchen. „Algenbasierte Katalysatoren können aus Wasser und CO2 herangezogen werden, sind also in doppelter Hinsicht ‚grün‘. Daher gibt es intensive Bemühungen, die katalytische Performance von Cyanobakterien zu erhöhen“, so Kourist.

Verfügbares Licht besser nutzen

Gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum und der finnischen Universität Turku ist es der Algen-Arbeitsgruppe an der TU Graz nun gelungen, genau diese katalytische Performance zu steigern, indem der photosynthetische Elektronenfluss gezielt in die gewünschte katalytische Funktion umgeleitet wurde. „Wir konnten erstmals die Bereitstellung photosynthetischer Energie direkt in den Zellen zeitaufgelöst messen, sodass wir darüber Engpässe im Metabolismus identifizieren konnten“, erklärt Marc Nowaczyk vom Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen an der Ruhr-Universität Bochum.
„Daher haben wir im Genom des Cyanobakteriums ein System ausgeschaltet, das die Zelle vor fluktuierendem Licht schützen soll. Dieses System ist unter kontrollierten Kultivierungsbedingungen nicht notwendig, verbraucht aber photosynthetische Energie. Energie, die wir lieber in die Zielreaktion einbringen“, erläutert Hanna Büchsenschütz, Doktorandin an der TU Graz und Erstautorin der Studie. Damit kann die aufgrund der hohen Zelldichten niedrige Produktivität von Cyanobakterien verbessert werden. „Anders gesagt: Wir können nur eine gewisse Menge an Zellen einsetzen. Deswegen müssen wir die Zellen schneller machen. Und dafür haben wir über das sogenannte Metabolic Engineering einen Weg aufgezeigt, der Cyanobakterien einen großen Schritt reifer macht für die biotechnologische Anwendung“, sagt Kourist.
Neben der Produktivitätssteigerung der Zelle an sich durch gezielte Eingriffe auf der Gen-Ebene befassen sich die Grazer Forscherinnen und Forscher gleichzeitig mit neuen Konzepten für den Algen-Kultivierungsprozess. Ein Ansatz ist es, Lichtquellen direkt in die Zellsuspension einzubringen, etwa über Mini-LEDs. Auch mit neuen Geometrien wird experimentiert. So können Cyanobakterien in der Form abgekapselter kleiner Kügelchen, sogenannten „Beads“, insgesamt mehr Licht aufnehmen. Robert Kourist dazu: „Es ist ganz wichtig, alle Maßnahmen auf dem Weg zur großindustriellen Anwendung von algenbasierten Biokatalysatoren integriert zu entwickeln. Das geht nur mit interdisziplinärer Forschung, die die Funktionsweise eines Enzyms genauso betrachtet wie das Engineering in der photosynthetischen Zelle.“
Diese Forschung ist an der TU Graz im Field of Expertise „Human & Biotechnology“ verankert, einem von fünf strategischen Forschungsschwerpunkten der TU Graz.

Originalpublikation:
Leen Assil Companioni, Hanna C. Büchsenschütz, Daniel Solymosi, Nina G. Dyczmons, Kristin K.F. Bauer, Silvia Wallner, Peter Macheroux, Yagut Allahverdiyeva, Marc M. Nowaczyk, and Robert Kourist: „Engineering of NADPH Supply Boosts Photosynthesis-Driven Biotransformations“. ASC Catalysis, Sep. 2020. DOI: 10.1021/acscatal.0c02601

Cyanobakterien sind umweltfreundliche und gut verfügbare Biokatalysatoren zur Herstellung neuer Chemikalien und dank Forschender der TU Graz bald im Einsatz bei großtechnologischen Anwendungen. | Foto: Lunghammer/TU Graz

Kategorie: Biotechnologie, Forschung, News Stichworte: Algen-Kultivierungsprozess, Biotechnologie, Blaualgen, Cyanobakterien, Metabolic Engineering

Weitere Nachrichten

Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Im Rahmen aktueller Forschungsarbeiten an der University of California San Diego ist ein neues Verfahren zum Pflanzenschutz entwickelt worden, das auf einer sprühbaren Polymerbeschichtung basiert. Die Technologie zielt darauf ab, Nutzpflanzen vor … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Die Selectchemie AG hat eine Vereinbarung über den Verkauf ihres Nutrition Geschäftsbereichs an TER Chemicals unterzeichnet. Mit dem Übergang von Selectnutrition an den familiengeführten internationalen Distributor für Spezialchemikalien und … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Ein integriertes Bioraffineriekonzept zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff aus Restbiomasse der Tomatenproduktion steht im Zentrum des EU-Projekts ToFuel. Unter der Koordination der Technischen Universität Graz entwickelt ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • SIGEP WORLD

    Die SIGEP WORLD ist eine der international führenden Fachmessen für die Foodservice-Branche und vereint die Bereiche Gelato, Patisserie & […]

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Markus Büngers übernimmt CEO-Position bei HASCO
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Markus Büngers hat zum 01. Januar 2026 die Position des CEO der HASCO Hasenclever GmbH + Co. KG übernommen. Nach einer Übergangsphase unter Thomas Karazmann setzt das Unternehmen auf interne Nachfolge, strategische Kontinuität und langfristige […]

  • SYNEQT bündelt Chemiepark-Infrastruktur
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit dem Start der SYNEQT GmbH führt Evonik seit Jahresbeginn die Infrastruktur-Aktivitäten der Chemieparks Marl und Wesseling zusammen. Rund 3.500 Beschäftigte und ein Umsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro machen SYNEQT zu einem der größten […]

  • PSI entwickelt Verfahren für stabile, langlebige Festkörperbatterien
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Festkörperbatterien werden am Paul Scherrer Institut PSI mit einem neuen Verfahren stabiler und langlebiger. Durch mildes Sintern des Elektrolyten und eine gezielte Grenzflächenstabilisierung lassen sich Dendritenbildung und Leistungsabfall […]

  • Ganzheitliche Prozesslösungen für die Kunststoffverarbeitung
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Auf der PlastIndia 2026 präsentiert Coperion ganzheitliche Prozesslösungen für Compoundieren, Recycling und Polyolefine. Gezeigt werden Einzelkomponenten und Gesamtanlagen aus einer Hand, die auf effizienten Betrieb, hohe Zuverlässigkeit, […]

  • BASF nimmt Steamcracker in Zhanjiang termingerecht in Betrieb
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der Steamcracker am neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang ist termingerecht in Betrieb gegangen, nutzt für seine Hauptkompressoren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen und liefert jährlich bis zu eine Million Tonnen Ethylen für […]

  • Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Volker Nilles hat am 12. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung von ARBURG übernommen und die sechsköpfige Führungsspitze des Maschinenbauers ergänzt. The post Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung appeared first on […]

  • Ultramid®-Polyamid besteht Langzeitanforderungen der E-Mobilität
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die glasfaserverstärkte, halogenarme Ultramid®-Type von BASF wird für Anwendungen der E-Mobilität unter Hydrolysebedingungen in Wasser-Glykol geprüft. Mithilfe von Arrhenius-Analysen lassen sich die Materialeigenschaften auf Einsatzzeiten von […]

  • Brenntag stärkt Partnerschaft mit Women in Chemicals weltweit
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Die Partnerschaft zwischen Brenntag und Women in Chemicals wird 2026 global ausgebaut. Ziel ist es, Gleichstellung, berufliche Entwicklung und Vernetzung von Frauen in der chemischen Industrie durch internationale Programme, Konferenzen und […]

  • Neue Recyclingpfade für leistungsfähige Geokunststoffe
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt Zirk-Tex des Fraunhofer CCPE entstehen neue Ansätze zur Herstellung von Geokunststoffen und Dachbahnen aus bislang ungenutzten Kunststoffabfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. The post Neue Recyclingpfade für […]

  • 40 Jahre wire Düsseldorf prägen die globale Drahtindustrie
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die wire Düsseldorf feiert 40 Jahre als globale Leitmesse der Draht- und Kabelindustrie. Mit Wachstum, Internationalität und neuen Formaten wie dem wire & Cable FORUM setzt die wire 2026 weitere Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag