• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden

Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden

18. Januar 2021 von Helmut Mitteregger

In einer neuen Studie in Science klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf. Diterpen-Glykoside dienen der Verteidigung gegenüber Fressfeinden. Die Abwehrstoffe greifen bestimmte Teile der Zellmembran an. Um sich selbst vor den eigenen Giften und der Zerstörung der Zellmembran zu schützen, speichern Tabakpflanzen die Abwehrstoffe in einer ungiftigen Form, die auf eine besondere Art und Weise gebildet wird. Selbsttoxizität und der Schutz davor scheinen bei der Evolution der pflanzlichen Abwehr eine größere Rolle zu spielen als bislang angenommen.

Pflanzen können sich durch Gifte gegen Pflanzenfresser verteidigen. In einer aktuellen Studie konnten Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie (Jena) und der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise einer wichtigen Gruppe von Abwehrstoffen, den Diterpen-Glykosiden, in wilden Tabakpflanzen detailliert aufklären. Diterpen-Glykoside dienen der Verteidigung gegenüber Fressfeinden. Die Studie zeigt, dass die Abwehrstoffe bestimmte Teile der Zellmembran angreifen. Um sich selbst vor den eigenen Giften und der Zerstörung der Zellmembran zu schützen, speichern Tabakpflanzen die Abwehrstoffe in einer ungiftigen Form, die auf eine besondere Art und Weise gebildet wird. Selbsttoxizität und der Schutz davor scheinen bei der Evolution der pflanzlichen Abwehr eine größere Rolle zu spielen als bislang angenommen.

Viele Pflanzen bilden chemische Abwehrstoffe, um nicht gefressen zu werden. Noch immer ist wenig über die genaue Wirkungsweise vieler Pflanzengifte auf ihre Konsumenten bekannt. Forschende des Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE) und der Universität Münster sind nun der Frage nachgegangen, wie Pflanzen Gifte produzieren und in ihrem Gewebe einlagern, ohne sich selbst zu schaden. Insbesondere wollten sie wissen, ob es ähnliche Mechanismen bei der Selbsttoxizität beziehungsweise dem Schutz davor und der Abwehrwirkung auf Pflanzenfresser gibt.

Raupe des Tabakschwärmers Manduca sexta auf einem Tabakblatt. Die genaue chemische Analyse ihres Kots (kleine schwarze Kugel) zeigte, wie die die Giftstoffe in den Raupen aktiviert wurden und gaben so Hinweise auf die Biosynthese der Gifte in der Pflanze. | Foto: Anna Schroll

Selbsttoxizität und Verteidigung

Für ihre Untersuchungen wählten sie Diterpen-Glykoside aus Tabakpflanzen der Art Nicotiana attenuata. „Diese Substanzen kommen in sehr hohen Konzentrationen in den Blättern des Tabaks vor. Aber wir hatten keine Ahnung, warum sie so wirksame Abwehrstoffe sind und wie sich die Pflanzen vor ihrer toxischen Wirkung schützen. Die Situation ist dabei ganz anders als bei einem anderen Gift dieser Pflanze: dem Nikotin. Nikotin ist ein spezifisches Nervengift. Da Pflanzen weder Nerven noch Muskeln haben und somit für das Gift auch keine Angriffsfläche bieten, ist es für sie ungefährlich, Nikotin zu produzieren und zu speichern“, sagt Ian Baldwin von der Abteilung Molekulare Ökologie am Jenaer Max-Planck-Institut, in der die Studie durchgeführt wurde.

Zur Überraschung der Forscher zeigten Tabakpflanzen, die so verändert worden waren, dass sie zwei an der Biosynthese der Diterpen-Glykoside beteiligte Proteine nicht mehr bilden und damit auch den in großen Mengen eingelagerten Abwehrstoff nicht produzieren konnten, auffällige Symptome einer Selbstvergiftung: Sie wurden krank, unfähig normal zu wachsen, und konnten sich auch nicht mehr fortpflanzen. Weitere Untersuchungen ergaben, dass in diesen Pflanzen bestimmte Bestandteile der Zellmembran, Spingolipide, angegriffen worden waren.

Angriff auf die Zellmembran

Diese Stoffe kommen in allen Tieren und Pflanzen vor, also auch in den Feinden des wilden Tabaks, den Tabakschwärmern Manduca sexta. Die Forscher stellten sich daher die Frage, ob der Spingolipid-Stoffwechsel das Angriffsziel der Diterpen-Glykoside sein könnte. Tatsächlich wuchsen Raupen dieses Schädlings, die an Pflanzen ohne Diterpen-Glykoside gefressen hatten, deutlich besser als auf Kontrollpflanzen mit dem Abwehrstoff. Analysen des Kots von Tabakschwärmerraupen, die Diterpen-Glykoside mit ihrer Nahrung aufgenommen hatten, erbrachten weitere wichtige Erkenntnisse, denn der Abbau der Pflanzengifte bei der Verdauung erfolgt quasi in umgekehrter Reihenfolge zur Synthese in den Pflanzen. Pflanzen verhindern eine Selbstschädigung, indem sie den Abwehrstoff in einer ungiftigen Form einlagern. Wenn Insekten jedoch an der Pflanze fressen, wird ein Teil des Moleküls abspaltet und die bislang entschärften Abwehrstoffe werden „scharf“. „Interessanterweise ist das Angriffsziel der Toxine in beiden Fällen, in Pflanze mit unvollständiger Diterpen-Glykosid-Biosynthese und in der Raupe, der Sphingolipid-Stoffwechsel“, sagt Erstautor Jiancai Li.

Sphingolipide haben eine vermittelnde Funktion bei vielen physiologischen Prozessen. Das wiederum macht die Wirkung der Diterpen-Glykoside auf deren Stoffwechsel so interessant. „Diterpen-Glykoside und ihre Derivate können nicht nur breite Abwehrfunktionen gegen viele landwirtschaftliche Schädlinge und pathogene Pilze haben, auch viele Erkrankungen beim Menschen, wie Diabetes, Krebs oder einige neurogenerative Erkrankungen, sind mit einem erhöhten Sphingolipid-Stoffwechsel verbunden“, meint Shuqing Xu vom Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster, einer der Hauptautoren der Studie. Mediziner sind auf der Suche nach wirksamen Substanzen zur Behandlung dieser Krankheiten durch eine Hemmung des Sphingolipid-Stoffwechsels. Die hier untersuchten Diterpen-Glykoside könnten dafür potenzielle Kandidaten sein.

„Diterpen-Glykoside und ihre Derivate können nicht nur breite Abwehrfunktionen gegen viele landwirtschaftliche Schädlinge und pathogene Pilze haben, auch viele Erkrankungen beim Menschen sind mit einem erhöhten Sphingolipid-Stoffwechsel verbunden.“

Shuqing Xu vom Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster.

„Frassomics“ – ein neues wirkungsvolles Werkzeug zur Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Lebewesen

Die Analyse von Raupenkot erwies sich für diese Studie als Schlüssel zum Erfolg. Die Forschenden nennen diesen Ansatz „Frassomics“: eine Zusammensetzung von frass (Raupenkot) und metabolomics – der Analyse aller Stoffwechselprodukte (Metaboliten). „Bei dieser Studie wurde uns klar, dass Frassomics ein sehr leistungsstarkes Forschungsinstrument sein kann. Analysiert man den Kot von Pflanzenfressern ganz genau, kann dies sehr nützliche Hinweise darauf liefern, wie Stoffe, die Pflanzen produzieren, von ihren Konsumenten abgebaut werden“, sagt Ian Baldwin. Ziel der Forschenden ist es, mehr Einblicke in solche „Verdauungsduette“ zu erhalten, um ökologische Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen noch besser zu verstehen.

Originalpublikation:
Li, J., Halitschke, R., Li, D., Paetz, C., Su, H., Heiling, S., Xu, S., Baldwin, I. T. (2021). „Controlled hydroxylations of diterpenoids allow for plant chemical defense without autotoxicity“, Science, DOI: 10.1126/science.abe4713

Jiancai Li sammelt den Kot einer Tabakschwärmerraupe von einer Tabakpflanze, um daran detaillierte Analysen durchzuführen – „Frassomics“ kann zu sehr leistungsstarkem Forschungsinstrument werden. | Foto: Anna Schroll

Kategorie: Forschung, News Stichworte: Abwehrgifte, Biosynthese, Diterpen-Glykoside, Frassomics, Tabakschwärmer

Weitere Nachrichten

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Ein integriertes Bioraffineriekonzept zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff aus Restbiomasse der Tomatenproduktion steht im Zentrum des EU-Projekts ToFuel. Unter der Koordination der Technischen Universität Graz entwickelt ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

GEA erweitert Ventiltechnik mit wasserhydraulischer Antriebslösung

GEA hat einen Vertrag zur Übernahme des Geschäfts der Hydract A/S unterzeichnet, einem dänischen Spezialisten für wasserhydraulische Prozessventile. Der Vollzug der Transaktion ist für Ende Januar 2026 vorgesehen. Mit der Übernahme baut GEA seine … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin GEA erweitert Ventiltechnik mit wasserhydraulischer Antriebslösung

Mobiles Sensorsystem soll Lebensmittelbetrug vor Ort aufdecken

Lebensmittelbetrug nimmt seit Jahren zu und stellt Handel, Kontrolleure und Verarbeiter vor wachsende Herausforderungen. Unter Bedingungen hoher Nachfrage, starken Preisdrucks und komplexer Lieferketten gelangen falsch deklarierte oder minderwertige … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Mobiles Sensorsystem soll Lebensmittelbetrug vor Ort aufdecken

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • SIGEP WORLD

    Die SIGEP WORLD ist eine der international führenden Fachmessen für die Foodservice-Branche und vereint die Bereiche Gelato, Patisserie & […]

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • BASF nimmt Steamcracker in Zhanjiang termingerecht in Betrieb
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der Steamcracker am neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang ist termingerecht in Betrieb gegangen, nutzt für seine Hauptkompressoren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen und liefert jährlich bis zu eine Million Tonnen Ethylen für […]

  • Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Volker Nilles hat am 12. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung von ARBURG übernommen und die sechsköpfige Führungsspitze des Maschinenbauers ergänzt. The post Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung appeared first on […]

  • Ultramid®-Polyamid besteht Langzeitanforderungen der E-Mobilität
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die glasfaserverstärkte, halogenarme Ultramid®-Type von BASF wird für Anwendungen der E-Mobilität unter Hydrolysebedingungen in Wasser-Glykol geprüft. Mithilfe von Arrhenius-Analysen lassen sich die Materialeigenschaften auf Einsatzzeiten von […]

  • Brenntag stärkt Partnerschaft mit Women in Chemicals weltweit
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Die Partnerschaft zwischen Brenntag und Women in Chemicals wird 2026 global ausgebaut. Ziel ist es, Gleichstellung, berufliche Entwicklung und Vernetzung von Frauen in der chemischen Industrie durch internationale Programme, Konferenzen und […]

  • Neue Recyclingpfade für leistungsfähige Geokunststoffe
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt Zirk-Tex des Fraunhofer CCPE entstehen neue Ansätze zur Herstellung von Geokunststoffen und Dachbahnen aus bislang ungenutzten Kunststoffabfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. The post Neue Recyclingpfade für […]

  • 40 Jahre wire Düsseldorf prägen die globale Drahtindustrie
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die wire Düsseldorf feiert 40 Jahre als globale Leitmesse der Draht- und Kabelindustrie. Mit Wachstum, Internationalität und neuen Formaten wie dem wire & Cable FORUM setzt die wire 2026 weitere Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und […]

  • RFID sicher in PP-Mehrwegbecher integrieren
    am 9. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    RFID ermöglicht die eindeutige Identifikation von PP-Mehrwegbechern und bildet die Grundlage für automatisierte Pfand- und Bezahlsysteme. RINCO ULTRASONICS zeigt, wie der RFID-Chip mithilfe von Ultraschallschweissen dauerhaft und wasserdicht in […]

  • INERATEC realisiert e-SAF-Upgrading am Standort Frankfurt
    am 9. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    INERATEC realisiert e-SAF-Upgrading am Standort Frankfurt und integriert die Aufbereitung von Fischer-Tropsch-Crude zu zertifiziertem synthetischem Flugkraftstoff direkt in die Power-to-X-Anlage ERA ONE. Der Beitrag INERATEC realisiert […]

  • Österreichs größtes grünes Wasserstoffprojekt geht an den Start
    am 8. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit einer 140-MW-Anlage in Bruck an der Leitha baut OMV eines der größten Projekte für grünen Wasserstoff in Europa. Das Vorhaben wird mit bis zu EUR 123 Mio gefördert und soll ab Ende 2027 jährlich bis zu 23.000 Tonnen Wasserstoff erzeugen. […]

  • Effiziente Präzision für die Medizintechnik auf der PLASTINDIA 2026
    am 8. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die WITTMANN Gruppe zeigt auf der PLASTINDIA 2026 Lösungen für energie-, material- und platzsparende Produktion. Anhand einer Medizintechnik-Anwendung demonstriert das Unternehmen, wie Präzision, Effizienz und Automatisierung in der […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag