• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Wie Proteine ihren Platz in der Zelle finden

Wie Proteine ihren Platz in der Zelle finden

18. Dezember 2020 von Helmut Mitteregger

Mehr als ein Viertel aller Proteine einer Zelle finden sich in den Membranen. Um dort ihre Aufgabe erfüllen zu können, müssen Membranproteine von ihrer Produktionsstätte sicher zu ihrem Bestimmungsort transportiert und korrekt in die Zielmembran eingebaut werden. Wissenschaftlern der Universität Heidelberg ist es gelungen, die dreidimensionale Struktur einer molekularen Maschine zu entschlüsseln, die für den korrekten Einbau von sogenannten „tail-anchored“-Membranproteinen zuständig ist.

Mehr als ein Viertel aller Proteine einer Zelle finden sich in den Membranen. Dort haben sie lebenswichtige Funktionen. Um ihre Aufgabe zu erfüllen, müssen Membranproteine von ihrer Produktionsstätte in der Zelle sicher zu ihrem Bestimmungsort transportiert und korrekt in die Zielmembran eingebaut werden. Wissenschaftlern des Biochemie-Zentrums der Universität Heidelberg (BZH) ist es gelungen, die dreidimensionale Struktur einer molekularen Maschine zu entschlüsseln, die für den korrekten Einbau einer wichtigen Familie von Membranproteinen – die sogenannten „tail-anchored“-Membranproteine oder kurz TA-Proteine – zuständig ist.
Ein erwachsener Mensch besteht aus schätzungsweise 100 Billionen Zellen. Jede einzelne davon enthält unzählige Proteine, die als Konstrukteure und Akteure des Lebens vielfältige Aufgaben wahrnehmen. Ein großer Teil der Proteine einer Zelle sind Membranproteine, also Bestandteile der feinen Häutchen (lateinisch membrana), die jede Zelle, aber auch alle kleinen Organe – die Organellen – in ihrem Innern umhüllen. Membranproteine formen beispielsweise Kanäle oder Poren und erfüllen grundlegende Arbeiten wie den Stofftransport oder die Signalübermittlung. Vom korrekten Einbau, der Insertion, hängt ab, ob das Membranprotein seine biologischen Aufgaben erfüllen kann. Davon ist auch die ordnungsgemäße Funktion der Zelle abhängig. Doch wie wird gewährleistet, dass das Protein an die richtige Membran gelangt und dort an der richtigen Stelle in die Membran integriert wird?

Bedeutende Membranprotein-Familie

Für den zielgerichteten Transport und die korrekte Insertion sind bestimmte Signaturen wichtig – kleine Abschnitte der Proteine, die gleichsam als Postleitzahlen fungieren. Sie werden von molekularen Sortiermaschinen erkannt, die das Protein seinem Bestimmungsort zuweisen. Bei manchen Proteinen findet sich die Signatur am Ende des Moleküls: Die Wissenschaftler sprechen englisch von „tail-anchored“-Membranproteinen, kurz TA-Proteinen. Diese bedeutende Membranprotein-Familie ist an zahlreichen zellulären Prozessen beteiligt, etwa der Fusion von Membranen oder der Apoptose, dem programmierten Zelltod.
Wissenschaftler des BZH unter der Leitung von Prof. Dr. Irmgard Sinning konnten unlängst die dreidimensionale Struktur derjenigen molekularen Maschine entschlüsseln, die TA-Proteine in die Membranen des Endoplasmatischen Retikulum (ER) einbaut – ein wichtiges Verteilungsnetz im Innern der Zelle, das mit allen anderen Organellen verbunden ist. Für ihre Strukturanalysen nutzten die BZH-Forscher die Kryo-Elektronenmikroskopie (Kryo-EM), eine Methode, die 2017 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. „Derart hochaufgelöste Strukturinformationen sind von entscheidender Bedeutung, um die finalen Schritte bei der Insertion der Proteine in die ER-Membran zu verstehen“, erklärt Prof. Sinning, die eine Forschungsgruppe am BZH leitet.

GET-Insertionsmaschine im Laufe der Evolution kaum verändert

Verantwortlich für das korrekte Einfügen der TA-Proteine in die Membran des Endoplasmatischen Retikulums ist die sogenannte GET-Insertionsmaschine. Dabei steht die Abkürzung GET für „Guided Entry of Tail-anchored membrane proteins“. Diese Insertionsmaschine hat sich im Laufe der Evolution von der Hefe bis zum Menschen kaum verändert, und besteht aus drei Proteinbausteinen: Zwei sitzen in der ER-Membran und formen dort eine Art Tasche (Get1 und Get2). Der dritte Proteinbaustein (Get3) befindet sich außerhalb der Membran und fungiert als Zulieferer. Alle drei Bauteile der GET-Insertionsmaschine sind entscheidend für den korrekten Einbau des TA-Proteins in die Zielmembran: Get2 übernimmt das Protein vom Zulieferer und schiebt es quasi über die Tasche in die Membran. Dieses unerwartete Detail der Interaktion von Get2 und Get3 haben die Heidelberger Wissenschaftler durch ihre Proteinstrukturanalysen entdeckt. Weitere Analysen zeigten, dass stets zwei Kopien der Insertionsmaschine eng zusammenarbeiten, was die Effizienz der Integration des Proteins in die Membran erhöht. „Die GET-Insertionsmaschine ermöglicht den TA-Proteinen einen energetisch günstigen Zugang zur Membran“, so Prof. Sinning.
„Derart kleine Membranproteine, wie wir sie in der GET-Insertionsmaschine finden, sind eine Herausforderung für die Strukturbiologie. Für unsere Forschungsarbeiten waren daher innovative Ideen notwendig“, betont die Strukturbiologin Dr. Melanie McDowell. Erst seit einigen Jahren erlauben technische Verbesserungen in Kryo-EM, die Struktur von immer kleineren Proteinkomplexen immer detaillierter zu bestimmen. Die Universität Heidelberg hat daher ein „Kryo-EM-Netzwerk“ (HDcryoNet) etabliert, das es ermöglicht, auch die Struktur kleiner Membranprotein-Komplexe wie der GET-Insertionsmaschine zu analysieren. Prof. Sinning und Dr. McDowell sind überzeugt, dass ihre neuen Daten ein lange gesuchtes Puzzleteil sind, mit dem es gelingen kann, das Bild vom Proteintransport in der Zelle und der Insertion von Proteinen in die Membran zu vervollständigen.
Die Studie, an der auch Wissenschaftler der Universität Oxford (Großbritannien) und der Universitätsmedizin Göttingen beteiligt waren, wurde überwiegend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Molecular Cell“ veröffentlicht.

Originalpublikation:
M.A. McDowell, M. Heimes, F. Fiorentino, S. Mehmood, Á. Farkas, J. Coy-Vergara, D. Wu, V. Schmid, R. Heinze, J. R. Bolla, K. Wild, D. Flemming, S. Pfeffer, B. Schwappach, C.V. Robinson, & I. Sinning: „Structural basis of tail-anchored membrane protein biogenesis by the GET insertase complex“. Molecular Cell (2020) 80: 72-86.e7,
DOI: 10.1016/j.molcel.2020.08.012

Struktur der GET-Insertionsmaschine (Get1 in blau, Get2 in orange und Get3 in hellblau). Ein repräsentatives Kryo-EM-Bild des Komplexes ist im Hintergrund zu sehen. | Abbildung: © McDowell und Sinning (2020)

Kategorie: Forschung, News Stichworte: GET-Insertionsmaschine, Membranproteine, Uni Heidelberg

Weitere Nachrichten

Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Im Rahmen aktueller Forschungsarbeiten an der University of California San Diego ist ein neues Verfahren zum Pflanzenschutz entwickelt worden, das auf einer sprühbaren Polymerbeschichtung basiert. Die Technologie zielt darauf ab, Nutzpflanzen vor … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Die Selectchemie AG hat eine Vereinbarung über den Verkauf ihres Nutrition Geschäftsbereichs an TER Chemicals unterzeichnet. Mit dem Übergang von Selectnutrition an den familiengeführten internationalen Distributor für Spezialchemikalien und … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Ein integriertes Bioraffineriekonzept zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff aus Restbiomasse der Tomatenproduktion steht im Zentrum des EU-Projekts ToFuel. Unter der Koordination der Technischen Universität Graz entwickelt ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • SIGEP WORLD

    Die SIGEP WORLD ist eine der international führenden Fachmessen für die Foodservice-Branche und vereint die Bereiche Gelato, Patisserie & […]

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Markus Büngers übernimmt CEO-Position bei HASCO
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Markus Büngers hat zum 01. Januar 2026 die Position des CEO der HASCO Hasenclever GmbH + Co. KG übernommen. Nach einer Übergangsphase unter Thomas Karazmann setzt das Unternehmen auf interne Nachfolge, strategische Kontinuität und langfristige […]

  • SYNEQT bündelt Chemiepark-Infrastruktur
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit dem Start der SYNEQT GmbH führt Evonik seit Jahresbeginn die Infrastruktur-Aktivitäten der Chemieparks Marl und Wesseling zusammen. Rund 3.500 Beschäftigte und ein Umsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro machen SYNEQT zu einem der größten […]

  • PSI entwickelt Verfahren für stabile, langlebige Festkörperbatterien
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Festkörperbatterien werden am Paul Scherrer Institut PSI mit einem neuen Verfahren stabiler und langlebiger. Durch mildes Sintern des Elektrolyten und eine gezielte Grenzflächenstabilisierung lassen sich Dendritenbildung und Leistungsabfall […]

  • Ganzheitliche Prozesslösungen für die Kunststoffverarbeitung
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Auf der PlastIndia 2026 präsentiert Coperion ganzheitliche Prozesslösungen für Compoundieren, Recycling und Polyolefine. Gezeigt werden Einzelkomponenten und Gesamtanlagen aus einer Hand, die auf effizienten Betrieb, hohe Zuverlässigkeit, […]

  • BASF nimmt Steamcracker in Zhanjiang termingerecht in Betrieb
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der Steamcracker am neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang ist termingerecht in Betrieb gegangen, nutzt für seine Hauptkompressoren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen und liefert jährlich bis zu eine Million Tonnen Ethylen für […]

  • Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Volker Nilles hat am 12. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung von ARBURG übernommen und die sechsköpfige Führungsspitze des Maschinenbauers ergänzt. The post Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung appeared first on […]

  • Ultramid®-Polyamid besteht Langzeitanforderungen der E-Mobilität
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die glasfaserverstärkte, halogenarme Ultramid®-Type von BASF wird für Anwendungen der E-Mobilität unter Hydrolysebedingungen in Wasser-Glykol geprüft. Mithilfe von Arrhenius-Analysen lassen sich die Materialeigenschaften auf Einsatzzeiten von […]

  • Brenntag stärkt Partnerschaft mit Women in Chemicals weltweit
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Die Partnerschaft zwischen Brenntag und Women in Chemicals wird 2026 global ausgebaut. Ziel ist es, Gleichstellung, berufliche Entwicklung und Vernetzung von Frauen in der chemischen Industrie durch internationale Programme, Konferenzen und […]

  • Neue Recyclingpfade für leistungsfähige Geokunststoffe
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt Zirk-Tex des Fraunhofer CCPE entstehen neue Ansätze zur Herstellung von Geokunststoffen und Dachbahnen aus bislang ungenutzten Kunststoffabfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. The post Neue Recyclingpfade für […]

  • 40 Jahre wire Düsseldorf prägen die globale Drahtindustrie
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die wire Düsseldorf feiert 40 Jahre als globale Leitmesse der Draht- und Kabelindustrie. Mit Wachstum, Internationalität und neuen Formaten wie dem wire & Cable FORUM setzt die wire 2026 weitere Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag