• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Neue Proteinanalyse-Methode offenbart prähistorisches Fischrezept

Neue Proteinanalyse-Methode offenbart prähistorisches Fischrezept

29. November 2018 von Helmut Mitteregger

Verbrannte Speisereste werden sehr oft anhaftend an Gefäßscherben auf archäologischen Ausgrabungen gefunden. Die Analyse ihres Proteingehalts hilft uns, viele Aspekte des vorgeschichtlichen Lebens zu verstehen. Um eine Keramikschale mit verbrannten Speiseresten zu analysieren, die an einer archäologischen Fundstelle im Land Brandenburg in Deutschland gefunden wurde, kontaktierten Wissenschaftler des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) die Massenspektrometrie-Experten am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden. In der Regel bietet der Massenspektrometrie-Bereich einen Service für Wissenschaftler. Das Team um Anna Shevchenko am MPI-CBG entwickelte eine neue Proteomik-Analyse, mit der über 300 Proteine identifiziert werden können, und die auch antike und heutige Proteine unterscheidet. Auf diesem Weg fanden die Forscher in den verkohlten Überresten prähistorischer Nahrung Fischrogen eines Karpfens. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift PLOS ONE.

Rasterelektronenmikroskopisches Bild der Struktur der Lebensmittelkruste vom Rand des historischen Topfes. Pflanzenreste deuten darauf hin, dass der Topf wahrscheinlich mit Blättern bedeckt war. | Abbildung: Shevchenko et al. PLOS ONE. 28. Nov 2018 / MPI-CBG

Nahrungsmittelkrusten sind verbrannte Speisereste, die auf archäologischen Keramikgefäßen zu finden sind. Sie sind sehr schwer zu analysieren, da ältere Proteine durch den Kochvorgang und durch die natürliche Alterung weitgehend abgebaut und mit Verunreinigungen aus der Umwelt, wie zum Beispiel Bodenbakterien oder Pflanzen, vermischt werden. 1979 hatten Archäologen Fragmente von 6000 Jahre alten Tongefäßen am Standort Friesack 4, einer archäologischen Stätte bei Berlin in Deutschland, entdeckt. Dieser Fundort ist für die hervorragende Erhaltung zahlreicher Artefakte, überwiegend aus der Mittelsteinzeit, bekannt. Für die Nahrungsmittelspuren gab es zu dieser Zeit noch kein Analyseverfahren. So mussten die Keramikgefäße bis 2013 warten. Inzwischen waren leistungsstarke Technologien zur Proteinanalyse entwickelt worden. Nun kamen die Wissenschaftler des Massenspektrometrie-Bereiches am MPI-CBG ins Spiel. Die brandenburgischen Kollegen konfrontierten sie mit der Aufgabe, die Essensreste auf einer kleinen Tonschale zu analysieren.

Am wichtigsten war es den Wissenschaftlern, den Inhalt der Keramikgefäße zu identifizieren. Gleichzeitig galt es die Herkunft und Verarbeitung alter Lebensmittel zu ermitteln. Überreste alter Lebensmittel helfen uns, viele Aspekte des Lebens der europäischen Vorgeschichte zu verstehen, wie zum Beispiel den komplexen Wandlungsprozess der Jäger und Sammler zu einer sesshaften Gesellschaft, Ernährungs- und Kochpraktiken, die Rolle von natürlichen Rohstoffen in der Wirtschaft oder die Domestikation von Tieren und Pflanzen. Anna Shevchenko erklärt die Herausforderungen bei der Analyse von Speiseresten: „Wir mussten uns mit der Frage auseinandersetzen, wie Lebensmittelproteine in verkohlten Ablagerungen auf archäologischen Scherben überleben können und wie wir die ursprünglichen Proteine von modernen Verunreinigungen wie menschlicher Haut, Speichel oder Pflanzen, die einst auf dem Ausgrabungsfeld angebaut wurden, unterscheiden können.“ Durch den quantitativen Nachweis altersspezifischer chemischer Veränderungen konnten die Wissenschaftler nicht nur zeitgenössische Schadstoffe ausschließen. Sie entwickelten auch eine völlig neue Analysemethode für Proteine, mit der die wesentlichen Bestandteile der Lebensmittelrückstände identifiziert werden konnten.

Rekonstruktion des 6000 Jahre alten Gefäßes aus der archäologischen Stätte Friesack 4 (oberes Bild) und Nahaufnahme der verkohlten Nahrungsmittelkruste am Gefäßboden (unteres Bild). | Abbildung: Shevchenko et al. PLOS ONE. 28. Nov 2018 / MPI-CBG / BLDAM

Diese neu entwickelte Proteomik-Analyse für Nahrungsmittelkrusten identifizierte etwa 300 Proteine in der 6000 Jahre alten Keramikschale. Dies ermöglichte eine Bewertung der biologischen Herkunft und der verwendeten Lebensmittelverarbeitung. Die Forscher fanden dabei Fischproteine, die zum gemeinen Karpfen und speziell auf dessen Kaviar oder Rogen passten. Die Analyse fand jedoch keine Hinweise auf eine Fischgärung, was darauf hindeutet, dass man das Lebensmittel höchstwahrscheinlich mit Hitze verarbeitet hatte. Größe und Form der Keramik, eine verkohlte Kruste und die Identifizierung eines bestimmten Fischproteins deuteten darauf hin, dass empfindliches Karpfenrogen in einer kleinen Menge Wasser oder Fischbrühe gekocht worden war. Zusätzlich wurden elektronenmikroskopische Bilder angefertigt, die darauf hindeuten, dass der Topf wahrscheinlich mit Blättern bedeckt war. Bei der Analyse anderer Topfscherben aus der Umgebung konnte auch Schweinekollagen nachgewiesen werden, was darauf hindeutet, dass Schweinefleisch mit Knochen, Sehnen oder Haut in dieser Keramik gekocht wurde. Dies passt gut zu weiteren zooarchäologischen Artefakten aus der Stätte Friesack 4, zu der auch Wildschweinknochen gehören, und unterstützt die Annahme, dass diese Stätte als Jagdstation gedient hat.

Behutsamer Umgang mit Fundstücken entscheidend
„Dass die Untersuchungen mit der neuen Methode so erfolgreich am Beispiel über 6000 Jahre alter Keramik von der Fundstelle bei Friesack durchgeführt werden konnten, dürfte ein Meilenstein in der Annäherung an die Lebensgewohnheiten unserer Jäger- und Sammler-Vorfahren sein“, erklärt Günter Wetzel, ehemaliger Archäologe des BLDAM und Co-Autor der Studie. Er fährt fort: „Gleichzeitig mahnt sie den Ausgräber, noch sorgfältiger mit den Funden bereits ab der Auffindung auf der Ausgrabung umzugehen, um derartige Untersuchungen später überhaupt zu ermöglichen. Hier kam der Naturwissenschaftlerin zugute, dass der Ausgräber und ehemalige Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, Bernhard Gramsch, die Keramik nach der Auffindung nicht waschen ließ.“

Anna Shevchenko fasst zusammen: „Diese Studie bietet Archäologen und Anthropologen neue analytische Instrumente zur Untersuchung von Ernährungsgewohnheiten in prähistorischen Gesellschaften. Außerdem verbessert das neue Analyseverfahren unsere Fähigkeit, Proteome aus Umweltproben von Organismen mit unbekannten Genomen zu analysieren. Die Methode eröffnet neue Perspektiven für proteomische Studien an unkonventionellen biologischen Proben in den Lebens- und Medizinwissenschaften, bei denen Proteine in mineralischen Materialien wie Zähnen oder Knochen oder Muscheln eingeschlossen sind.“

Zur Website des Instituts:

Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

 

Kategorie: Forschung, News Stichworte: MPI-CBG, PLOS ONE, Proteinanalyse, Proteomik-Analyse

Weitere Nachrichten

Temperaturindikatoren als Alternative zum Datenlogger

Temperaturindikatoren von CiK Solutions bieten eine Alternative zum elektronischen Datenlogger und ermöglichen eine unmittelbare, irreversible Sichtkontrolle temperaturempfindlicher Produkte. Die selbstklebenden Indikatoren zeigen … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Temperaturindikatoren als Alternative zum Datenlogger

GEA baut zertifizierte Cybersicherheit konzernweit weiter aus

GEA hat den Geltungsbereich seiner zertifizierten Cybersicherheit deutlich erweitert und damit die internationale Verankerung seines Information Security Management Systems gestärkt. Das nach ISO/IEC 27001:2022 zertifizierte System umfasst nun 98 … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin GEA baut zertifizierte Cybersicherheit konzernweit weiter aus

Verpackung für Süßwaren wird nachhaltiger und flexibler

Die Verpackung für Süßwaren entwickelt sich im Zuge technologischer, funktionaler und nachhaltiger Anforderungen deutlich weiter. Auf der interpack 2026 wird sichtbar, wie Hersteller von Schokolade, Bonbons, Fruchtgummi oder Kaugummi auf veränderte … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Verpackung für Süßwaren wird nachhaltiger und flexibler

Industrielles Anlagenkonzept für die Phosphorrückgewinnung

Mit dem Abschluss einer Front-End Engineering Design Studie liegt im EU-Projekt FlashPhos ein ausgearbeitetes industrielles Anlagenkonzept zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm vor. 17 europäische Partner unter der Koordination der Universität … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Industrielles Anlagenkonzept für die Phosphorrückgewinnung

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • all about automation Friedrichshafen

    Die all about automation in Friedrichshafen ist die Fachmesse für Industrieautomation, Robotik und Digitalisierung – das […]

  • MEORGA MSR Frankfurt

    Die MEORGA MSR 2026 ist eine Fachmesse für Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik, Prozessleitsysteme sowie Automatisierungs- und Prozesstechnik. In […]

  • LogiMAT

    Die LogiMAT 2026, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, präsentiert vom 24. bis 26. März in Stuttgart einen […]

  • analytica München

    Die analytica 2026 ist die Weltleitmesse für Analytik, Labortechnik, Biotechnologie und Qualitätskontrolle. Sie findet in fünf Messehallen der […]

  • MEORGA MSR Wien

    Die MEORGA MSR-Spezialmesse 2026 ist eine Fachveranstaltung für Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik, Prozessleitsysteme sowie Automatisierungs- und […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Catexel übernimmt BASF-Geschäft für Aufheller
    am 6. März 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    BASF hat ihr internationales Geschäft für Aufheller an Catexel veräußert. Die Transaktion umfasst die Produktion in Monthey in der Schweiz sowie rund 80 Mitarbeitende. Finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht. Der Beitrag Catexel […]

  • Partnerschaft schließt Kreislauf für Umreifungsbänder
    am 6. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Excerpt: re-strap und Teufelberger vereinbaren eine langfristige Partnerschaft, um gebrauchte Umreifungsbänder aus dem deutschen Markt hochwertig zu recyceln und als Rohstoff wieder in die Produktion neuer Umreifungsbänder zurückzuführen. The […]

  • Neues Kühlmaterial steigert Effizienz und Nachhaltigkeit
    am 5. März 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Ein internationales Konsortium hat magnetisches Kühlmaterial durch gezielte chemische Modifikation so verbessert, dass sich die reversible Temperaturänderung verdoppelt und Energieverluste deutlich reduzieren. Damit ebnet die Forschung den Weg […]

  • XELAMID als neue stoßmodifizierte PA-Familie
    am 5. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    XELAMID ist die neue stoßmodifizierte PA-Familie von Xenia auf Basis von PA11 und PA12. Die Werkstoffe kombinieren mechanische Leistungsfähigkeit, geringe Dichte sowie ausgewogene Eigenschaften für Anwendungen in Sport, Konsum und Industrie. The […]

  • Dirk Musser übernimmt Führung bei KraussMaffei
    am 4. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Dirk Musser übernimmt zum 1. April 2026 die Führung bei KraussMaffei Technologies. Er folgt auf Jörg Stech, der das Unternehmen seit 2023 stabilisierte und strategisch neu ausrichtete. The post Dirk Musser übernimmt Führung bei KraussMaffei […]

  • Michael Carus beendet CEO-Tätigkeit im nova-Institut
    am 4. März 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Michael Carus wechselt nach mehr als 30 Jahren an der Spitze des nova-Instituts in die Rolle des Senior Advisor. Zum 1. März 2026 übernimmt Lars Börger die CEO-Funktion im Geschäftsbereich Renewable Carbon nach einer einjährigen […]

  • Länderübergreifende Perspektiven für Kreislaufwirtschaft
    am 3. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Internationale Kooperationen zwischen Politik, Industrie und Wissenschaft prägen die Circular Valley Convention 2026. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Projekte, Projektgruppen und praxisnahe Lösungen für Europas Schlüsselindustrien im Kontext […]

  • Fabrik des Jahres 2026
    am 3. März 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    2026 startet die Fabrik des Jahres zum 15. Mal und lädt Österreichs Produktionsstandorte ein, sich im objektiven Wettbewerb nach dem Fraunhofer Excellent Factory-Modell zu messen. Ausgezeichnet werden Efficient, Smart und Sustainable Factory sowie […]

  • AI Factory eröffnet AI:AT Coworking Hub
    am 2. März 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die AI Factory eröffnet in Wien den AI:AT Coworking Hub als Arbeits- und Vernetzungsort für Industrie, Start-ups und Forschung. Rund 300 Stakeholder:innen diskutierten dabei Zugang zu Infrastruktur, Trainingsformate und die Umsetzung von […]

  • Flammgeschütztes PEF für biobasierte Textilien
    am 2. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die DITF synthetisieren PEF und bewerten phosphorbasierte Flammschutzmittel in verschiedenen Konzentrationen, um chemisch gebundenen, langfristigen Flammschutz für textile Anwendungen zu realisieren. The post Flammgeschütztes PEF für biobasierte […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag