• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Infektionsdiagnostik 3.0: Noch schneller zum Ziel dank Nanoporensequenzierung

Infektionsdiagnostik 3.0: Noch schneller zum Ziel dank Nanoporensequenzierung

19. Oktober 2020 von Helmut Mitteregger

Damit Sepsis-Patienten so rasch wie möglich das richtige Antibiotikum bekommen, haben Fraunhofer-Forschende ein diagnostisches Verfahren entwickelt, das die Hochdurchsatzsequenzierung von Blutproben nutzt und wesentlich schneller Ergebnisse liefert als herkömmliche kulturbasierte Techniken. Dies konnte nun dank neuester Einzelmolekül-Sequenziertechniken nochmals so verbessert werden, dass Erreger bereits nach wenigen Stunden identifiziert werden können. Die grundsätzliche Methodik wird derzeit mit mehreren hundert Patienten multizentrisch getestet. Wie sie funktioniert, wird bei den Fraunhofer Solution Days vom 26. – 28. Oktober 2020 vorgestellt.

Eine Sepsis – umgangssprachlich auch „Blutvergiftung“ genannt – ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch die unkontrollierte Vermehrung von Krankheitserregern – Bakterien, Viren oder Parasiten – im Blut verursacht wird und alleine in Deutschland für etwa 60 000 Todesfälle im Jahr verantwortlich ist, Tendenz steigend. Dabei kann umso erfolgreicher therapiert werden, je schneller die Diagnose gestellt und die Art des Erregers identifiziert werden kann: Möglichst rasch mit dem richtigen Antibiotikum behandeln zu können, erhöht die Überlebensrate signifikant.
Gängige Praxis ist es bis heute in vielen Kliniken, solche Sepsis-Erreger mikrobiologisch nachzuweisen. Dabei werden sie aus Blutproben der Patienten im Labor vermehrt und anschließend analysiert. Von Nachteil ist hierbei allerdings nicht nur, dass das Ergebnis erst nach zwei bis fünf Tagen vorliegt, sondern dass auch die Nachweisrate dieser Technik gering ist: In der Regel liefert sie nur in 10 bis 30 Prozent der Fälle ein positives Ergebnis, das dem behandelnden Arzt bei der Therapieentscheidung helfen kann. Außerdem lassen sich manche Pathogene gar nicht oder nur unter besonderen Bedingungen kultivieren, sodass das Ergebnis negativ ausfällt, obwohl eigentlich eine Infektion vorliegt – mit fatalen Folgen für die Patienten.

Hochleistungs-Plattform für schnellen und zuverlässigen Erregernachweis

Forschende am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben schon vor einiger Zeit ein alternatives diagnostisches Verfahren etabliert, das Erreger aller Art wesentlich schneller und zuverlässiger nachweist. Es nutzt die Hochdurchsatzsequenzierung, Next-Generation Sequencing (NGS), des mikrobiellen Erbguts – von so genannter zirkulierender freier DNA (cfDNA) – aus der Blutprobe der Patienten und hat eine fünf- bis sechsfach verbesserte Nachweisrate gegenüber den kulturbasierten Techniken.
Dabei können in einem dreistufigen Prozess aus Probenvorbereitung, Sequenzierung und bioinformatischer Auswertung mit eigens entwickelten diagnostischen Algorithmen relevante Bakterien, Viren oder Pilze ohne langwieriges Kultivierungsverfahren innerhalb von 24 bis 30 Stunden nach der Blutabnahme eindeutig identifiziert werden. Als ein Verfahren mit Plattformcharakter eignet sich die Methode zudem nicht nur zur Sepsis-Diagnose, sondern potenziell auch für andere Erkrankungen wie beispielsweise Endokarditis- oder Liquorinfektionen. Zudem kann in einer einzigen Untersuchung nicht nur die biologische Art des Erregers, sondern auch dessen Resistenzen gegenüber Antibiotika untersucht und damit zusätzlich bei der Auswahl der optimalen Therapie zu berücksichtigt werden.

Alle wichtigen Kliniken Deutschlands an Studie beteiligt

Derzeit läuft die klinische Validierung der Plattform für die Sepsis-Diagnostik in einer multizentrischen Studie: „Nun testen wir unser Verfahren großflächig in der Klinik“, berichtet Dr. Kai Sohn, Leiter des Innovationsfelds In-vitro-Diagnostik am Fraunhofer IGB vom Stand der Forschungsarbeiten. „Dabei werden 500 Patienten in 20 Kliniken untersucht; praktisch alle wichtigen, in Deutschland ansässigen, Anästhesiezentren sind daran beteiligt. Bemerkenswert ist dabei, dass die Studie einen so großen Zuspruch findet, dass wir alle Patienten schon jetzt – lange vor der geplanten Zeit – rekrutieren und so einen großen Vorsprung gewinnen konnten.“ Das Projekt wird unter anderem von der Dietmar Hopp Stiftung mit einer halben Million Euro unterstützt.

Noch schnellere und kostengünstigere Diagnose

Aber auch das Herzstück der Plattform – die Technik an sich – konnte nochmals so weiterentwickelt werden, dass die Ergebnisse noch schneller und kostengünstiger geliefert werden können: Mithilfe einer der jüngsten Sequenziertechnologien der 3. Generation kann das mikrobielle Erbgut in Echtzeitanalyse schon während der Sequenzierung geprüft werden, sodass sich die Erreger-Identifizierung nun auf nur sechs bis acht Stunden reduzieren lässt – je nachdem, wie stark der Patient infiziert ist. Möglich wird dies durch den MinION-Sequenzierer, ein kompaktes, tragbares Gerät, das einzelne DNA-Moleküle in Nanoporen analysieren kann. „Hiermit bekommen wir Ergebnisse im Minutentakt“, erklärt Sohn. „Jetzt steht hierfür der Proof of Concept an, um herauszufinden, in welcher Zeit wir die Untersuchung minimal durchführen könnten. Es könnte aber durchaus sein, dass wir Erreger in Zukunft sogar auch schon in weniger als sechs Stunden nach der Blutabnahme aufspüren könnten.“
Die eindeutige Identifizierung der Pathogene wird durch mathematische Berechnungen auf Basis der Sequenzinformationen aus der Patientenprobe ermöglicht: Hierfür haben die Fraunhofer-Forscher einen Relevanzscore – den Sepsis Indicating Quantifier (SIQ)-Score – entwickelt, der die Daten der Infizierten mit gesunden Kontrollgruppen bioinformatisch abgleicht und dann bewertet. „Dazu haben wir im Vorfeld Erwartungswerte für hunderte verschiedenster Erreger erzeugt“, berichtet Sohn. „Auf dieser Basis können wir nun Ergebnisse in einer ähnlichen Form liefern, wie sie jeder vom Blutbild beim Hausarzt kennt. Unsere Algorithmen ermöglichen damit die rasche und eindeutige Therapieentscheidung. Und dies hat durchaus auch das Potenzial, in Zukunft einmal als Point-of-Care-Test direkt auf der Intensivstation durchgeführt zu werden.“

Originalpublikationen:
Grumaz, et al. (2020) „Rapid next generation sequencing-based diagnostics of bacteremia in septic patients“. Journal of Molecular Diagnostics (2020) 22 (3): 405
DOI: 10.1016/j.jmoldx.2019.12.006

Grumaz et al. (2019): „Enhanced performance of Next-Generation Sequencing Diagnostics compared with standard of care microbiological diagnostics in patients suffering from septic shock“. Crit Care Med (2019) 47(5):e394-e402.
DOI: 10.1097/CCM.0000000000003658

Brenner et al. (2018): „Next-generation sequencing diagnostics of bacteremia in sepsis (Next GeneSiS-Trial) “. Medicine (2018) 97(6): e9868. DOI: 10.1097/MD.0000000000009868

Mit der automatisierten DNA-Isolation lassen sich bis zu 44 klinische Proben gleichzeitig aufbereiten. | Bild: Fraunhofer IGB


Kategorie: Forschung, News Stichworte: automatisierte DNA-Isolation, Infektionsdiagnostik, Nanoporensequenzierung, Sepsis

Weitere Nachrichten

Fettsäuresynthase liefert Alternative zu Palmöl

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben die Fettsäuresynthase so umprogrammiert, dass sie Fettsäuren definierter Kettenlänge produziert. Durch gezielte Veränderungen des Enzyms lassen sich damit kürzere Fettsäuren herstellen, die bislang … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Fettsäuresynthase liefert Alternative zu Palmöl

ProSweets Cologne 2026 als zentrale Content-Plattform

Die ProSweets Cologne 2026 positioniert sich als zentrale Content-Plattform für die Süßwaren- und Snackindustrie und reagiert damit auf ein Marktumfeld, das von volatilen Rohstoffmärkten, steigenden regulatorischen Anforderungen und veränderten … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin ProSweets Cologne 2026 als zentrale Content-Plattform

Cobot automatisiert Arbeitsprozesse im Fruchthandel

Auf der Fruit Logistica 2026 vom 4. bis 6. Februar in Berlin präsentiert die Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien IAPT einen Cobot für den Fruchthandel. Der Roboter übernimmt zentrale Arbeitsschritte wie das Greifen, Sortieren … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Cobot automatisiert Arbeitsprozesse im Fruchthandel

GEA realisiert offene Pilotinfrastruktur für Fermentation

Am NIZO Food Innovation Campus im niederländischen Ede entsteht eine offene Pilotinfrastruktur für Präzisions- und Biomassefermentation in Lebensmittelqualität. GEA realisiert die Anlage für die Biotechnology Fermentation Factory (BFF) und stellt … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin GEA realisiert offene Pilotinfrastruktur für Fermentation

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

  • ISM

    Die ISM 2026, internationale Leitmesse für Süßwaren und Snacks, bietet vom 01. bis 04. Februar einen umfassenden Überblick über Produkte, Trends […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Spritzgusskomponenten für anspruchsvolle Anwendungen
    am 22. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Weiss Kunststoffverarbeitung präsentiert auf der KPA Ulm 2026 Spritzgusskomponenten für anspruchsvolle Anwendungen in Automobilindustrie, Elektromobilität, Maschinenbau und Intralogistik. The post Spritzgusskomponenten für anspruchsvolle […]

  • wire & Tube 2026: Plattform für die industrielle Transformation
    am 22. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    wire & Tube 2026 bündeln als Weltleitmessen zentrale Technologien für die industrielle Transformation. Von Draht, Kabeln und Rohren über Maschinen, Werkstoffe und Anwendungen bis zu Energiewende, Wasserstoff, Automatisierung und Industrie 4.0 […]

  • Plast 2026 wird Teil eines dreifachen Messekonzepts
    am 21. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Plast 2026 wird Teil von MaTec und bildet gemeinsam mit Xylexpo und Composites Future ein dreifaches Messekonzept. Die Plast vernetzt Kunststoff-, Holz- und Verbundwerkstofftechnologien und schafft eine integrierte Plattform für die verarbeitende […]

  • Foeth erweitert Portfolio für Prozessmaschinen durch Akquisition
    am 21. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Foeth übernimmt den italienischen Anbieter Intimac und baut damit sein Portfolio an Prozessmaschinen und Verpackungsanlagen aus. Die Akquisition stärkt die Position des Unternehmens als europäischer Händler für generalüberholtes […]

  • Klimafreundliche Ameisensäure aus Glycerin durch Elektrolyse
    am 20. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Forschende der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigen, wie sich Ameisensäure und Wasserstoff klimafreundlich aus dem Abfallprodukt Glycerin gewinnen lassen – mittels strombasierter Elektrolyse und neu entwickeltem Katalysator. Der […]

  • Unterfahrschutz von Röchling Automotive für europäischen OEM
    am 20. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Röchling Automotive liefert ab 2027 einen Unterfahrschutz für eine komplette Plattform eines europäischen OEM. Die Komponente kommt in mehreren Elektrofahrzeugmodellen zum Einsatz und schützt die Antriebsbatterie bei geringem Gewicht. The post […]

  • Critical Chemicals Alliance setzt industriepolitischen Rahmen
    am 19. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die Critical Chemicals Alliance definiert einen industriepolitischen Rahmen für die chemische Industrie in Europa. Der FCIO fordert, diese EU-Schwerpunktsetzung auch in der österreichischen Industriestrategie konsequent zu berücksichtigen. Der […]

  • Kreislaufwirtschaft verändert industrielle Wertschöpfung
    am 19. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die Kreislaufwirtschaft ersetzt lineare Verbrauchsmodelle durch zirkulierende Materialien und entwickelt sich zu einem zentralen Industrieprinzip. Besonders Kunststoffe treiben Recycling, Design for Recycling und stabile Stoffkreisläufe voran. The […]

  • Markus Büngers übernimmt CEO-Position bei HASCO
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Markus Büngers hat zum 01. Januar 2026 die Position des CEO der HASCO Hasenclever GmbH + Co. KG übernommen. Nach einer Übergangsphase unter Thomas Karazmann setzt das Unternehmen auf interne Nachfolge, strategische Kontinuität und langfristige […]

  • SYNEQT bündelt Chemiepark-Infrastruktur
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit dem Start der SYNEQT GmbH führt Evonik seit Jahresbeginn die Infrastruktur-Aktivitäten der Chemieparks Marl und Wesseling zusammen. Rund 3.500 Beschäftigte und ein Umsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro machen SYNEQT zu einem der größten […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag