In einem FFG-geförderten Forschungsprojekt entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung neue Strategien zur Verwertung von Wasserpflanzen. Ziel ist es, lokal anfallende Wasserpflanzen aus Wien und dem Burgenland als nachhaltigen Rohstoff für Verpackungen, Spezialpapiere und Textilfasern nutzbar zu machen.

Wasserpflanzen aus der Alten und Neuen Donau sowie Sumpfpflanzen wie Schilf vom Neusiedlersee fallen jährlich in großen Mengen an – bislang wurden sie meist kompostiert. Das Projekt „InnoWAP“ will dies ändern: Es soll eine dezentrale, umweltfreundliche Nutzung der saisonal anfallenden Biomasse ermöglichen und dadurch neue Wertschöpfungsketten in der Kreislaufwirtschaft etablieren.
Wasserpflanzen als Basis für nachhaltige Produkte
Das Projekt „InnoWAP“ wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur mit 1,15 Millionen Euro gefördert und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt. In den nächsten drei Jahren wollen die Forschenden einen ökologisch und ökonomisch tragfähigen Verarbeitungsprozess entwickeln, der die Nutzung von Wasserpflanzen vor Ort ermöglicht. Jährlich werden in Wien zwischen 3.000 und 4.000 Tonnen dieser Biomasse geerntet – insbesondere durch Amphibien-Mähboote zur Pflege der Alten Donau.
Ergänzend wird Schilf als langfaserige Pflanze aus dem Neusiedlersee untersucht. Etwa 5.000 Tonnen davon werden jedes Jahr geerntet, bei einem Potenzial von bis zu 75.000 Tonnen. Diese Kombination soll die Herstellung verschiedenster Produkte ermöglichen – von Verpackungen über Einweggeschirr bis hin zu Spezialpapieren und Textilfasern.
Forschung an der BOKU: Wasserpflanzen in der Kreislaufwirtschaft
Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Marco Beaumont und Armin Winter vom Institut für Chemie nachwachsender Rohstoffe der BOKU. „Mit InnoWAP zeigen wir, dass ökologische Gewässerpflege und wirtschaftliche Nutzung Hand in Hand gehen können. Wir transformieren bisher ungenutzte Biomasse in wertvolle Ressourcen für die Kreislaufwirtschaft und reduzieren CO2-Emissionen. Durch die nachhaltige Nutzung von Schilf und Wasserpflanzen revitalisieren wir wichtige Ökosysteme und schaffen gleichzeitig neue Wertschöpfungsketten und neue wirtschaftliche Möglichkeiten in Österreich“, erklärt Beaumont.
Die beiden Forscher entwickelten Methoden, mit denen sich Wasserpflanzen unter Einhaltung der Prinzipien der „Green Chemistry“ zu biologisch abbaubaren Materialien verarbeiten lassen. Für diese Arbeiten erhielten sie den Energy Globe Award Niederösterreich.
Industrielle Umsetzung gemeinsam mit neun Partnern
Beteiligt am Projekt sind neun Partner aus Industrie und Forschung: Flatz, NaKu, Lenzing AG, Berky und Lenzing Papier auf industrieller Seite sowie BOKU, FOTEC, TU Graz und Wood K plus als Forschungseinrichtungen. Die Stadt Wien liefert darüber hinaus jährlich große Mengen an Wasserpflanzen aus der Donaupflege.

„Wasser- und Sumpfpflanzen sind ein unterschätzter Rohstoff. Mit InnoWAP machen wir sie für die Bioökonomie nutzbar und bringen Wissenschaft und Industrie zusammen, um nachhaltige Alternativen zu fossilen und holzbasierten Rohstoffen zu entwickeln. Indem wir Wasserpflanzen und Schilf in die Kreislaufwirtschaft integrieren, sichern wir langfristig regionale Rohstoffe und reduzieren Transport- und Entsorgungskosten“, sagt Armin Winter.
Auch Thomas Rosenau, Leiter des Instituts für Chemie nachwachsender Rohstoffe, sieht das Potenzial: „InnoWAP ist ein sichtbares Leuchtturmprojekt, das zeigen wird, wie ungenutzte Biomasseströme sinnvoll in nachhaltige Produkte verwandelt werden können. Angesichts der steigenden Wachstumsraten von Wasserpflanzen, bedingt durch Eutrophierung und Klimawandel, ist eine effiziente Bewirtschaftung betroffener Gewässer von internationaler Relevanz.“
Christian Obinger, Vizerektor für Forschung und Innovation, ergänzt: „Dieses Projekt zeigt wunderbar, wie aus kleinen, im Rahmen des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Universität für Bodenkultur Wien finanzierten, innovativen Projekten die Basis für große, umfangreiche Forschungsprojekte erarbeitet werden kann.“