Im Rahmen aktueller Forschungsarbeiten an der University of California San Diego ist ein neues Verfahren zum Pflanzenschutz entwickelt worden, das auf einer sprühbaren Polymerbeschichtung basiert. Die Technologie zielt darauf ab, Nutzpflanzen vor bakteriellen Infektionen zu schützen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenstress zu erhöhen, ohne die physiologischen Funktionen der Pflanzen zu beeinträchtigen.

Kern des Ansatzes ist ein synthetisches Polymer, das direkt auf die Blattoberfläche aufgetragen wird und dort antibakterielle Eigenschaften entfaltet. Gleichzeitig bleibt das Material gasdurchlässig, sodass Prozesse wie Atmung und Wachstum weiterhin möglich sind.
Gasdurchlässige Polymerbeschichtung für den Pflanzenschutz
Das entwickelte Polymer gehört zur Materialklasse der Polynorbornene und ist gasdurchlässig ausgelegt. Dadurch bleibt der Gasaustausch der behandelten Blätter erhalten, sodass Atmung und Wachstum der Pflanzen nicht beeinträchtigt werden. Die Beschichtung übernimmt damit eine Schutzfunktion, ohne grundlegende physiologische Prozesse zu blockieren.
Im Unterschied zu dichten Schutzschichten, die die Blattoberfläche versiegeln, erlaubt das Material eine Anwendung direkt auf lebenden Pflanzen. Nach Angaben der Forschenden bildet diese Eigenschaft eine zentrale Voraussetzung für einen Pflanzenschutz, der mit der natürlichen Funktion der Pflanzen vereinbar ist und sich über längere Zeiträume einsetzen lässt.
Antibakterielle Wirkung in Pflanzen- und Laborversuchen
Getestet wurde die Sprühbeschichtung an Nicotiana benthamiana, einer in der Pflanzenforschung häufig genutzten Modellpflanze, die auch im Bereich des plant molecular farming eingesetzt wird. Das Polymer wurde direkt auf die Blätter lebender Pflanzen aufgebracht, die anschließend gezielt mit Bakterien infiziert wurden. In diesen Versuchen schützte die Beschichtung die Pflanzen vor einer Infektion mit Agrobacterium.

Ergänzend dazu untersuchten die Forschenden die Wirkung des Polymers unter kontrollierten Laborbedingungen an einzelnen Blättern. Dabei hemmte das Material das Wachstum sowohl gramnegativer als auch grampositiver Bakterien, darunter Escherichia coli und Staphylococcus aureus. Die Ergebnisse zeigen, dass der Pflanzenschutz auf einer breiten antibakteriellen Wirksamkeit basiert.
Hinweise auf eine systemische Schutzreaktion
Im Verlauf der Untersuchungen zeigte sich, dass für die Schutzwirkung keine vollständige Benetzung der Blattoberfläche erforderlich war. Bereits die Behandlung kleiner Blattbereiche führte dazu, dass die gesamte Pflanze vor bakteriellen Infektionen geschützt blieb. Diese Beobachtung weist darauf hin, dass der Pflanzenschutz nicht ausschließlich lokal wirkt.
Als mögliche Erklärung beschreiben die Forschenden eine systemische Reaktion der Pflanzen. In behandelten Blättern wurde kurzfristig ein leichter Anstieg von Wasserstoffperoxid gemessen, das als Signalmolekül bei pflanzlichen Stressreaktionen dient. Dieser Effekt nahm im weiteren Verlauf wieder ab, während die Pflanzen gesund blieben. Nach Einschätzung des Teams könnte dieses Signal eine pflanzenweite Abwehrreaktion auslösen.
Verbesserte Widerstandsfähigkeit bei Wassermangel
Neben der antibakteriellen Wirkung zeigte die Polymerbeschichtung auch Effekte unter Bedingungen von Trockenstress. In Versuchen, bei denen die Wasserversorgung über mehrere Tage unterbrochen wurde, blieben behandelte Pflanzen stabiler als unbehandelte Vergleichspflanzen und zeigten weniger ausgeprägte Welkesymptome.
Die Forschenden gehen davon aus, dass dieser Effekt auf mehreren Mechanismen beruht. Zum einen könnte die Beschichtung den Wasserverlust über die Blattoberfläche reduzieren. Zum anderen könnten stressbedingte Signalprozesse aktiviert werden, die auf molekularer Ebene zur erhöhten Dürretoleranz beitragen. Damit erweitert der Pflanzenschutz seine Wirkung über den Schutz vor bakteriellen Krankheitserregern hinaus.
Weitere Forschungsschritte und Perspektiven
In weiteren Arbeiten untersucht das Forschungsteam die zugrunde liegenden Mechanismen sowohl der systemischen bakteriellen Abwehr als auch der erhöhten Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenstress. Parallel dazu werden die biologische Abbaubarkeit des Polymers sowie mögliche toxikologische Effekte geprüft.
Diese Untersuchungen sind Voraussetzung für eine spätere Anwendung außerhalb des Labors. Ziel der Forschenden ist es, den Pflanzenschutz so weiterzuentwickeln, dass er unter landwirtschaftlichen Bedingungen eingesetzt werden kann.
Originalpublikation: Palomino, L.; Opdensteinen, P.; Sanchez, I.; O’Hara, R.; Kim, H. S.; Smith, P. J. O.; Gonzalez-Gamboa, I.; Deng, X.; Steinmetz, N. F.; Pokorski, J. K. Polynorbornene Spray Coating to Enhance Plant Health. ACS Materials Letters, Vol. 7, Issue 12, 25. Oktober 2025. https://doi.org/10.1021/acsmaterialslett.5c00798