Mit dem Start des Forschungsprojekts „MikroGraph“ beginnt ein neuer Thüringer Forschungsverbund seine Arbeit zur verbesserten Überwachung von Mikroschadstoffen in kommunalem Abwasser. Federführend ist die Analytik Jena GmbH+Co. KG, die gemeinsam mit regionalen Partnern ein hochautomatisiertes Analysesystem entwickelt.

Ziel ist es, die Detektion chemischer Verunreinigungen direkt vor Ort zu ermöglichen, insbesondere in Kläranlagen. Das Projekt adressiert die Anforderungen der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie und wird mit über zwei Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.
Fokus auf Mikroschadstoffe in der Wasserüberwachung
Mikroschadstoffe wie Arzneimittelrückstände, PFAS oder Pestizide werden bislang meist über punktuelle Proben in zentralen Laboren analysiert. Dieses Verfahren ist aufwendig und erlaubt keine sofortige Reaktion auf akute Belastungen. Mit der Novellierung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie wird eine umfassende Reduktion dieser Schadstoffe gefordert. Bis 2035 sollen große Gemeinden die Belastung um 80 Prozent senken.
Das Forschungsvorhaben „MikroGraph“ begegnet dieser Herausforderung mit einem neuen Messsystem, das Schadstoffe direkt am Ort der Entstehung detektiert. Möglich macht dies eine Kombination aus Graphen-Feldeffekttransistor-Technologie, Trennsäulen-Komponenten und Massenspektrometrie. Die modulare Bauweise soll eine kosteneffiziente, flexible und anwendungsnahe Lösung bieten, auch über Kläranlagen hinaus.
Gemeinsame Entwicklung von Wissenschaft und Industrie
Im Projekt MikroGraph arbeiten führende Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Thüringen zusammen. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena bringt Expertise in der Sensorik und Trennsäulentechnologie ein. Das Leibniz-Institut für Photonische Technologien verantwortet die lithographische Bauteilfertigung. IMMS GmbH und LUCAS Instruments entwickeln Steuerung und Datenerfassung. Die Microfluidic ChipShop GmbH ist für die mikrofluidische Entwicklung zuständig. Die Koordination des Konsortiums erfolgt durch die Analytik Jena.

Die Kombination aus hochsensibler Graphen-Sensorik und innovativer Labortechnologie eröffnet neue Möglichkeiten für die Umweltanalytik. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung künftiger EU-Vorgaben und zur nachhaltigen Sicherung der Wasserqualität.
Oliver Klaeffling, Geschäftsführer der Analytik Jena Gruppe
Zukunftssichere Technologien für nachhaltigen Gewässerschutz
Mit Blick auf den Klimawandel, wachsenden Wasserbedarf und zunehmende Belastungen der Oberflächengewässer gewinnen Sensorsysteme zur Überwachung an Bedeutung. Sie können helfen, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und Reinigungsverfahren kontinuierlich zu optimieren.
Das Projekt MikroGraph läuft bis August 2028 und hat das Potenzial, den Stand der Technik in der Umweltanalytik weiterzuentwickeln und den Standort Thüringen im Bereich nachhaltiger Ressourcenverwendung zu stärken.
Über die Analytik Jena GmbH+Co. KG
Die Analytik Jena ist ein führender Anbieter von Analysemesstechnik, Instrumenten im Bereich der Molekularbiologie sowie von Liquid Handling und Automatisierungstechnik. Präzise Ergebnisse und einfache Handhabung stehen bei der Entwicklung der Laboranalyseprodukte der Analytik Jena an erster Stelle. Dienstleistungen sowie gerätespezifische Verbrauchsmaterialien runden das umfangreiche Angebot ab. Analytik Jena gehört zur Endress+Hauser Gruppe, einem Familienunternehmen mit Sitz in der Schweiz.