Vom 1. bis 4. Februar 2026 steht auf dem Messegelände in Köln die Verpackung im Mittelpunkt der ProSweets Cologne. Die Fachmesse bringt Unternehmen der Süßwaren- und Snackindustrie mit Maschinenbauern und Packmittelspezialisten zusammen. Ziel ist es, auf die wachsenden Anforderungen von Verbrauchern, Handel und Gesetzgebung zu reagieren. Präsentiert werden Entwicklungen, die technische Präzision, Materialeffizienz und ökologische Verantwortung verbinden.

Nachhaltigkeit prägt zunehmend die Entscheidungen in der gesamten Branche. Die Aussteller der ProSweets Cologne zeigen Wege, wie bestehende Prozesse angepasst und neue Materialien eingesetzt werden können, um den Vorgaben der EU-Verordnung 2025/40 (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) gerecht zu werden. Dabei geht es um die Umstellung auf Papier, recyclingfähige Monofolien und modular aufgebaute Maschinen, die diese Materialien verarbeiten können.
Anforderungen an die Verpackung in der Süßwaren- und Snackindustrie
Die Diskussion über die Umweltverträglichkeit von Verpackung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Verbraucher achten stärker auf Materialien und Recyclingfähigkeit, während der Gesetzgeber klare Vorgaben macht. Unternehmen reagieren darauf mit der Optimierung bestehender Verpackungssysteme. Dazu zählen kleinere Zuschnitte, reduzierte Materialstärken oder kompaktere Formate.
Die technische Umsetzung erfordert präzise Befüllungssysteme, um Qualität und Produktschutz zu sichern. Pick-and-Place-Roboter übernehmen das millimetergenaue Platzieren von Süßwaren in Trays oder Kartons. Diese Technologie spielt eine zentrale Rolle, wenn geringere Verpackungsvolumina realisiert werden sollen, ohne dass die Produktqualität beeinträchtigt wird.
Verpackung unter neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen
Mit der EU-Verordnung 2025/40 (PPWR) schafft die Europäische Union einen verbindlichen Rahmen für nachhaltige Verpackung. Ab dem 12. August 2026 gelten die Regelungen schrittweise, bis 2030 sollen ausschließlich Verpackungen in Umlauf gebracht werden, die recyclingfähig oder wiederverwendbar sind. Ziel ist eine Reduzierung von Einwegverpackungen, eine Senkung des Verpackungsgewichts sowie ein höherer Rezyklateinsatz.
Die Unternehmen der Branche haben bereits reagiert. Viele entwickeln Maschinen, die dünnere Folien verarbeiten, oder testen neue papierbasierte Materialien. „Kreislauffähige Verpackungen sind für erfolgreiche Marken keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit, die immer mehr zum Erfolgsfaktor wird. Die neue EU-Verpackungsverordnung hat diesen Wandel noch einmal beschleunigt“, sagt Guido Hentschke, Director der ProSweets Cologne und ISM Ingredients.
Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der Verpackungsproduktion
Die PPWR verfolgt das Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackung umweltverträglicher zu gestalten. Für Hersteller bedeutet das Veränderungen in Design, Materialauswahl und Produktionsprozessen. Maschinenbauer und Packmittelhersteller begleiten diesen Wandel mit technischen Anpassungen, Materialanalysen und Testläufen.
„Vollständig recycelbare Mono-Materialien sind schwieriger zu verarbeiten. Sie erfordern eine strenge Prozesskontrolle und die richtige Verpackungsmaschine“, erklärt Hentschke. Die Fachmesse bietet dafür eine Plattform: In Halle 10.1 vermittelt die Expert Stage während aller vier Messetage praxisnahes Wissen rund um Recycling, Materialprüfung und Kreislaufwirtschaft. Ziel ist, den Informationsaustausch zwischen Forschung, Industrie und Technik zu fördern.
Schlauchbeutelmaschinen und neue Ansätze für flexible Verpackungssysteme
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der Schlauchbeutelmaschine, die in der Süßwarenindustrie weit verbreitet ist. Verbundmaterialien bieten zwar hohen Produktschutz, sind jedoch schwer zu recyceln. Die Aussteller präsentieren daher Lösungen, die vollständig recycelbare oder papierbasierte Alternativen ermöglichen.
Die neuesten Anlagen kombinieren Ultraschalltechnologie und keramische Heizelemente, um sowohl konventionelle als auch nachhaltige Folien zu verarbeiten. Die Temperatur kann präzise geregelt werden, sodass Material und Produkt geschont werden. Durch kurze Umrüstzeiten lassen sich unterschiedliche Beutelformate nacheinander herstellen. Ergänzend ermöglichen modulare Bauweisen die Integration verschiedener Dosiersysteme und Applikationen, wodurch Produktionsabläufe flexibler gestaltet werden können.
Papier als Material für neue Verpackungslösungen
Papier gewinnt in der Verpackung zunehmend an Bedeutung. Einstoff-Lösungen auf Basis von Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) bleiben zwar im Einsatz, doch viele Hersteller prüfen Alternativen. Papier bietet die Möglichkeit, Verpackungen ohne Materialtrennung wiederzuverwerten und so zu echten Kreislaufprodukten beizutragen.
Gleichzeitig fordert die PPWR künftig einen bestimmten Rezyklatanteil in Kunststoffverpackungen – bis 2030 soll dieser bei zehn Prozent liegen. Für viele Lebensmittelverpackungen ist dies derzeit noch eine Herausforderung. Papierbasierte Lösungen können hier einen Ausweg bieten. Die auf der ProSweets Cologne gezeigten Technologien erlauben eine schonende Verarbeitung des empfindlicheren Materials. Maschinen lassen sich durch angepasste Siegel- und Formeinheiten auf Papierbetrieb umrüsten. So können Kissen-, Blockboden- oder Doy-Standbodenbeutel ohne Leistungsverlust hergestellt werden.
Auch die Umstellung von Multipacks auf Papier eröffnet Potenzial: Wenn die Erstverpackung den Produktschutz übernimmt, kann der Außenpack weitgehend auf Beschichtungen verzichten und zu bis zu 95 Prozent aus Papier bestehen.
Digitale Unterstützung für PPWR-konformes Verpackungsmanagement
Neben neuen Materialien und Maschinen wird auf der ProSweets Cologne auch das Thema Datenerfassung und Berichterstattung zur Verpackung behandelt. Die PPWR verpflichtet Unternehmen dazu, künftig detaillierte Informationen über eingesetzte Materialien und Recyclinganteile zu dokumentieren.
Digitale Tools können helfen, diese Anforderungen in bestehende Qualitätsmanagementsysteme zu integrieren. Damit wird deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema der Materialwahl ist, sondern auch der Nachverfolgbarkeit und Transparenz. Besucherinnen und Besucher der Messe erhalten Einblicke, wie sich regulatorische Vorgaben mit technischen Innovationen und praxisgerechtem Reporting verbinden lassen.