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Penicillium als Mikrobe des Jahres 2026

31. Dezember 2025 von Birgit Fischer

Penicillium ist die Mikrobe des Jahres 2026. Mit dieser Wahl stellt die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) einen Pinselschimmel in den Mittelpunkt, dessen Bedeutung weit über die Entdeckung des Penicillins hinausreicht. Der Pilz steht exemplarisch für den nachhaltigen Einfluss mikrobiologischer Forschung auf Medizin, Ernährung und industrielle Anwendungen.

Penicillium bedeutet auf Lateinisch „kleiner Pinsel“ - denn so sehen die Zellketten mit Sporen am Ende aus. (Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, rund 5000fach vergrößert, nachträglich eingefärbt. | Bild: Ulrich Kück und Birgit Hoff
Penicillium bedeutet auf Lateinisch „kleiner Pinsel“ – denn so sehen die Zellketten mit Sporen am Ende aus. (Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, rund 5000fach vergrößert, nachträglich eingefärbt. | Bild: Ulrich Kück und Birgit Hoff

Seit rund acht Jahrzehnten prägen aus Penicillium gewonnene Wirkstoffe die Behandlung bakterieller Infektionen weltweit. Gleichzeitig ist der Schimmelpilz unverzichtbar für die Herstellung charakteristischer Käsesorten und ein etablierter Produzent von Enzymen und bioaktiven Substanzen in der Biotechnologie.

Eine zufällige Beobachtung machte Penicillium weltberühmt

Der medizinische Stellenwert von Penicillium geht auf Beobachtungen zurück, die zunächst zufällig entstanden. 1928 stellte der schottische Mediziner Alexander Fleming fest, dass sich Bakterien auf einer Agarplatte dort nicht vermehrten, wo ein Schimmelpilz gewachsen war. Aus dieser Beobachtung leitete er ab, dass der Pilz eine Substanz absondert, die das Wachstum von Bakterien hemmt. Ähnliche Phänomene waren zuvor bereits beschrieben worden, doch erst Flemings systematische Einordnung machte ihre Tragweite deutlich.

Der Schimmelpilz wurde später als Penicillium notatum identifiziert, die wirksame Substanz erhielt den Namen Penicillin. Während Fleming zunächst vermutete, dass das Antibiotikum Bakterien direkt zerstört, ist heute bekannt, dass Penicillin gezielt die Zellwandsynthese hemmt. Bakterien verlieren dadurch ihre Fähigkeit zu wachsen und sich zu vermehren. Diese Wirkungsweise erwies sich als hochwirksam und zugleich selektiv gegenüber bakteriellen Erregern.

Ein Melonenfund machte Penicillium industriell nutzbar

Einen entscheidenden Fortschritt erzielten 1941 der Pathologe Howard Florey und der Chemiker Ernst Chain, denen es gelang, Penicillin aus Penicillium notatum zu isolieren und zu reinigen. Im selben Jahr kam es im Krankenhaus von Oxford zur ersten klinischen Anwendung. Ein infizierter Gesichtskratzers eines Polizisten wurde mit dem neuen Wirkstoff behandelt, was zunächst zu einer deutlichen Besserung führte. Der Patient verstarb dennoch, da der vorhandene Penicillin-Vorrat nicht ausreichte.

Ebenfalls 1941 isolierten Mitarbeitende der Northern Regional Research Laboratories in Illinois einen leistungsfähigeren Penicillium-Stamm aus einer angeschimmelten Cantaloupe-Melone. Dieser sogenannte Cantaloupe-Stamm lieferte deutlich höhere Mengen an Penicillin und ermöglichte erstmals eine ausreichende Versorgung von Soldaten und Zivilisten. Alle heute industriell genutzten Penicillin-Produzenten gehen auf diesen Stamm zurück. In modernen Fermentationsanlagen erzeugt Penicillium heute hunderttausendfach höhere Mengen als der ursprüngliche Ausgangsstamm.

Penicillium liefert bis heute eines der wichtigsten Antibiotika

Bis heute zählen Penicillin und seine synthetischen Derivate zu den am häufigsten eingesetzten Antibiotika gegen bakterielle Infektionen. Die weltweite Jahresproduktion liegt bei rund 50.000 Tonnen. Damit bleibt Penicillium ein zentraler Pfeiler der globalen Gesundheitsversorgung, auch Jahrzehnte nach seiner Entdeckung.

Platten mit Penicillium-Kulturen. | Foto: Birgit Hoff
Platten mit Penicillium-Kulturen. | Foto: Birgit Hoff

Die wissenschaftliche und medizinische Bedeutung dieser Entwicklung wurde 1945 gewürdigt, als Alexander Fleming, Howard Florey und Ernst Chain gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielten. Die Auszeichnung unterstrich die nachhaltige Wirkung, die von der Erforschung eines einzelnen Mikroorganismus ausgehen kann.

Zwei Geschlechter eröffneten neue Wege für Penicillium

Penicillium bildet fädige Strukturen mit charakteristischen, pinselartig angeordneten Sporen, woraus sich die Bezeichnung Pinselschimmel ableitet. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend asexuell über diese oft farbigen Sporen. Über lange Zeit galt dies als alleiniger Vermehrungsweg der Gattung.

Erst 2008 identifizierten Forschende überraschend zwei Geschlechter beziehungsweise Kreuzungstypen. Diese Entdeckung eröffnete neue Möglichkeiten der sexuellen Kreuzung. Penicillium-Stämme können seither gezielt weiterentwickelt werden, um neue Eigenschaften für medizinische, lebensmitteltechnologische und industrielle Anwendungen zu erschließen.

Ohne Penicillium gäbe es Camembert und Blauschimmel nicht

In der Lebensmittelproduktion ist Penicillium untrennbar mit der Herstellung bestimmter Käsesorten verbunden. Penicillium camemberti bildet die weiße, halbfeste Rinde von Camembert und Brie und beeinflusst maßgeblich deren Konsistenz und Aroma. Die buttrige Textur dieser Käsesorten geht wesentlich auf das Wachstum dieses Schimmelpilzes zurück.

Käsesorten mit Penicillium-Beteiligung: Camembert und Roquefort erhalten erst durch den Einsatz von P. camemberti und P. roqueforti im Reifungsprozess sie ihr typisches Aussehen, Geschmack und Textur. | Foto: Pexels, Polina Tankilevitch
Käsesorten mit Penicillium-Beteiligung: Camembert und Roquefort erhalten erst durch den Einsatz von P. camemberti und P. roqueforti im Reifungsprozess sie ihr typisches Aussehen, Geschmack und Textur. | Foto: Pexels, Polina Tankilevitch

Für Blauschimmelkäse wird Penicillium roqueforti eingesetzt. Dieser produziert Enzyme wie Proteasen und Lipasen, die Milchkasein spalten und flüchtige Verbindungen freisetzen. Diese Prozesse prägen Geschmack, Geruch und Textur der Käsesorten und schützen zugleich vor unerwünschten Kontaminationen. Die Sporen werden industriell hergestellt und während der Reifung gezielt zugesetzt.

Penicillium produziert weit mehr als nur Penicillin

Auch jenseits der Antibiotikaproduktion ist Penicillium ein bedeutender Akteur der Biotechnologie. Mehrere Arten produzieren Enzyme, die während der Fermentation direkt in das Kulturmedium abgegeben werden. Penicillium citrinum stellt unter anderem Pektinasen und Cellulasen her, die in der Lebensmittel- und Textilindustrie eingesetzt werden.

Darüber hinaus liefert Penicillium weitere bioaktive Substanzen. Penicillium coprobium produziert das Meroterpenoid Pyripyropen A, aus dem ein Insektizid gegen Blattläuse und Weiße Fliegen entwickelt wurde. Bereits 1893 isolierte Bartolomeo Gosio aus Penicillium brevicompactum die Mycophenolsäure, das erste antibiotisch wirksame Produkt der Menschheitsgeschichte, das heute als Immunsuppressivum genutzt wird.

Kategorie: News Stichworte: Antibiotika, Mikrobe, Penicillium, Schimmelpilz, VAAM

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