• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Neues Enzym ermöglicht biotechnologische Nutzung von Formiat

Neues Enzym ermöglicht biotechnologische Nutzung von Formiat

19. Dezember 2025 von Birgit Fischer

Formiat gilt als vielversprechender Ausgangsstoff für biotechnologische Verfahren zur Nutzung von CO₂. Forschende am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie haben ein künstlich entwickeltes Enzym vorgestellt, das als Formiat-Reduktase (FAR) bezeichnet wird und einen zentralen Umwandlungsschritt ermöglicht.

Hochdurchsatzgeräte können Forschung drastisch beschleunigen. Hier werden 96 Proben auf einmal auf die enzymatische Umwandlung von Formiat in Formaldehyd getestet - erkennbar am gelben Farbumschlag. | Foto: Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie/Franka Eiche
Hochdurchsatzgeräte können Forschung drastisch beschleunigen. Hier werden 96 Proben auf einmal auf die enzymatische Umwandlung von Formiat in Formaldehyd getestet – erkennbar am gelben Farbumschlag. | Foto: Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie/Franka Eiche

FAR setzt Formiat direkt zu Formaldehyd um und verbindet damit CO₂-basierte Ausgangsstoffe mit biologischen Stoffwechselwegen. Der Ansatz reduziert die Komplexität bisheriger Verfahren und schafft eine stabile Grundlage für biotechnologische Prozesse, in denen Formiat als Rohstoff eingesetzt wird.

Formiat wird als CO₂-basierter Rohstoff biotechnologisch untersucht

Für eine kohlenstoffneutrale Bioökonomie werden Verfahren benötigt, die CO₂ effizient binden und in verwertbare Produkte überführen. Ameisensäure beziehungsweise ihr Salz Formiat lässt sich mithilfe erneuerbaren Stroms elektrochemisch aus CO₂ herstellen. Formiat ist gut transportierbar, vergleichsweise ungiftig und vielseitig einsetzbar, weshalb es als potenzieller Ausgangsstoff für biotechnologische Produktionsprozesse untersucht wird.

In der Forschung steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie Mikroorganismen mit CO₂-basiertem Formiat versorgt werden können, um daraus Grundchemikalien, Treibstoffe oder Materialien herzustellen. Bislang konnten jedoch nur wenige Organismen Formiat direkt verwerten. Bestehende biologische Wege erwiesen sich häufig als ineffizient oder nur eingeschränkt belastbar, was eine breitere biotechnologische Nutzung begrenzte.

Synthetischer Stoffwechselweg verarbeitet Formiat in lebenden Bakterien

Um diese Einschränkungen zu überwinden, entwickelte das Team am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie einen vollständig synthetischen Formylphosphat-Stoffwechselweg, der in lebende E.-coli-Bakterien eingebaut wurde. Der Ansatz ermöglicht es, Formiat in lebenden Zellen zu verarbeiten, obwohl natürliche Stoffwechselwege diesen Umwandlungsschritt umgehen.

Kooperationspartner Dr. Sebastian Wenk von der Universität Groningen ordnet die Bedeutung dieses Ansatzes ein: „Unsere Arbeit zeigte, dass ein synthetischer Stoffwechselweg zur Verarbeitung von Formiat in lebenden Organismen funktioniert – ein bedeutender Schritt zur Entwicklung biotechnologisch nutzbarer Mikroorganismen, die aus CO₂ gewonnenes Formiat zur Herstellung von Lebensmitteln, Kraftstoffen und Materialien einsetzen können.“ Das entstehende Formaldehyd wird dabei unmittelbar weiterverarbeitet und reichert sich nicht in der Zelle an.

Komplexe enzymatische Kaskaden begrenzen die Nutzung von Formiat

Trotz dieser Fortschritte blieb die Verbindung zwischen Formiat und dem Zellstoffwechsel technisch anspruchsvoll. Die synthetischen Wege konkurrieren mit natürlichen Stoffwechselprozessen, die sich über Millionen Jahre evolutionär entwickelt haben und entsprechend effizient arbeiten.

Hinzu kam, dass bisherige biotechnologische Ansätze auf mehrstufigen enzymatischen Kaskaden beruhten, die empfindliche Zwischenprodukte wie Formylphosphat oder Formyl-CoA freisetzen. Diese Moleküle sind chemisch instabil und können leicht zerfallen oder unerwünschte Nebenreaktionen eingehen. Für industrielle Anwendungen stellte dies eine erhebliche Hürde dar, insbesondere mit Blick auf das Ziel, Mikroorganismen ausschließlich mit Formiat zu versorgen.

Formiat-Reduktase FAR ermöglicht direkte Umwandlung von Formiat

Den entscheidenden Durchbruch erzielte das Team mit der Entwicklung der Formiat-Reduktase FAR. Das künstlich entwickelte Enzym setzt Formiat direkt zu Formaldehyd um und ersetzt damit komplexe, störanfällige Reaktionsfolgen durch einen einzigen enzymatischen Schritt. FAR basiert auf einer Carboxylsäure-Reduktase aus dem Bakterium Mycobacteroides abscessus, die durch gezielte Mutagenese und Hochdurchsatz-Screening so verändert wurde, dass sie bevorzugt kleine Moleküle wie Formiat umsetzt.

Forschungsgruppenleiterin Dr. Maren Nattermann erläutert: „Mit FAR haben wir erstmals ein einzelnes, robustes Enzym, das Formiat zuverlässig zu Formaldehyd reduziert – genau dort, wo viele biotechnologische Wege beginnen.“ Damit stehe ein zentraler Baustein für künftige Biokonversionen zur Verfügung, die auf CO₂-basierten Rohstoffen beruhen.

Enzym FAR toleriert hohe Formiatkonzentrationen

Ein wesentlicher Vorteil von FAR ist seine Stabilität bei hohen Formiatkonzentrationen. Gerade unter solchen Bedingungen versagten frühere enzymatische Systeme nahezu vollständig. Erstautor Philipp Wichmann betont: „Das Wichtigste ist, dass unser Enzym selbst hohe Formiatkonzentrationen toleriert – denn unter diesen Bedingungen versagten frühere Systeme nahezu vollständig.“

Diese Eigenschaft ist insbesondere für industrielle Prozesse relevant, in denen Formiat elektrochemisch in hohen Konzentrationen erzeugt wird. Die Entwicklung von FAR wurde durch den Einsatz von Hochdurchsatzmethoden ermöglicht. Nach dem Screening von etwa 4.000 Enzymvarianten konnte die Formaldehydproduktion im Vergleich zur Ausgangsvariante um etwa das Fünffache gesteigert werden.

FAR kann in Zellen und zellfreien Systemen eingesetzt werden

Mit der Formiat-Reduktase FAR steht nun ein Enzym zur Verfügung, das sowohl in lebenden Zellen als auch in zellfreien Systemen oder elektrobiochemischen Produktionslinien eingesetzt werden kann. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Herstellung von Grundchemikalien, Biokunststoffen oder Treibstoffen aus CO₂-basiertem Formiat.

Die Forschenden planen, FAR mit weiteren synthetischen Stoffwechselwegen zu kombinieren, um die Produktion energiereicher Moleküle weiter auszubauen. Ziel ist es, stabile biotechnologische Prozesse zu entwickeln, in denen Formiat langfristig als CO₂-basierter Rohstoff genutzt werden kann.

Kategorie: Forschung, News Stichworte: Ameisensäure, CO2, FAR, Formaldehyd, Formiat

Weitere Nachrichten

Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Im Rahmen aktueller Forschungsarbeiten an der University of California San Diego ist ein neues Verfahren zum Pflanzenschutz entwickelt worden, das auf einer sprühbaren Polymerbeschichtung basiert. Die Technologie zielt darauf ab, Nutzpflanzen vor … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Sprühbares Polymer eröffnet neuen Pflanzenschutz

Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Die Selectchemie AG hat eine Vereinbarung über den Verkauf ihres Nutrition Geschäftsbereichs an TER Chemicals unterzeichnet. Mit dem Übergang von Selectnutrition an den familiengeführten internationalen Distributor für Spezialchemikalien und … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Selectnutrition wird Teil von TER Chemicals

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Ein integriertes Bioraffineriekonzept zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff aus Restbiomasse der Tomatenproduktion steht im Zentrum des EU-Projekts ToFuel. Unter der Koordination der Technischen Universität Graz entwickelt ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Bioraffineriekonzept erzeugt Flugzeugtreibstoff aus Tomatenresten

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • SIGEP WORLD

    Die SIGEP WORLD ist eine der international führenden Fachmessen für die Foodservice-Branche und vereint die Bereiche Gelato, Patisserie & […]

  • Grüne Woche

    Die Grüne Woche Berlin zählt seit 1926 zu den traditionsreichsten und international bedeutendsten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und […]

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Markus Büngers übernimmt CEO-Position bei HASCO
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Markus Büngers hat zum 01. Januar 2026 die Position des CEO der HASCO Hasenclever GmbH + Co. KG übernommen. Nach einer Übergangsphase unter Thomas Karazmann setzt das Unternehmen auf interne Nachfolge, strategische Kontinuität und langfristige […]

  • SYNEQT bündelt Chemiepark-Infrastruktur
    am 16. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Mit dem Start der SYNEQT GmbH führt Evonik seit Jahresbeginn die Infrastruktur-Aktivitäten der Chemieparks Marl und Wesseling zusammen. Rund 3.500 Beschäftigte und ein Umsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro machen SYNEQT zu einem der größten […]

  • PSI entwickelt Verfahren für stabile, langlebige Festkörperbatterien
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Festkörperbatterien werden am Paul Scherrer Institut PSI mit einem neuen Verfahren stabiler und langlebiger. Durch mildes Sintern des Elektrolyten und eine gezielte Grenzflächenstabilisierung lassen sich Dendritenbildung und Leistungsabfall […]

  • Ganzheitliche Prozesslösungen für die Kunststoffverarbeitung
    am 15. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Auf der PlastIndia 2026 präsentiert Coperion ganzheitliche Prozesslösungen für Compoundieren, Recycling und Polyolefine. Gezeigt werden Einzelkomponenten und Gesamtanlagen aus einer Hand, die auf effizienten Betrieb, hohe Zuverlässigkeit, […]

  • BASF nimmt Steamcracker in Zhanjiang termingerecht in Betrieb
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der Steamcracker am neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang ist termingerecht in Betrieb gegangen, nutzt für seine Hauptkompressoren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen und liefert jährlich bis zu eine Million Tonnen Ethylen für […]

  • Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung
    am 14. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Volker Nilles hat am 12. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung von ARBURG übernommen und die sechsköpfige Führungsspitze des Maschinenbauers ergänzt. The post Volker Nilles verstärkt ARBURG-Geschäftsführung appeared first on […]

  • Ultramid®-Polyamid besteht Langzeitanforderungen der E-Mobilität
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die glasfaserverstärkte, halogenarme Ultramid®-Type von BASF wird für Anwendungen der E-Mobilität unter Hydrolysebedingungen in Wasser-Glykol geprüft. Mithilfe von Arrhenius-Analysen lassen sich die Materialeigenschaften auf Einsatzzeiten von […]

  • Brenntag stärkt Partnerschaft mit Women in Chemicals weltweit
    am 13. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Excerpt: Die Partnerschaft zwischen Brenntag und Women in Chemicals wird 2026 global ausgebaut. Ziel ist es, Gleichstellung, berufliche Entwicklung und Vernetzung von Frauen in der chemischen Industrie durch internationale Programme, Konferenzen und […]

  • Neue Recyclingpfade für leistungsfähige Geokunststoffe
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt Zirk-Tex des Fraunhofer CCPE entstehen neue Ansätze zur Herstellung von Geokunststoffen und Dachbahnen aus bislang ungenutzten Kunststoffabfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. The post Neue Recyclingpfade für […]

  • 40 Jahre wire Düsseldorf prägen die globale Drahtindustrie
    am 12. Januar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Die wire Düsseldorf feiert 40 Jahre als globale Leitmesse der Draht- und Kabelindustrie. Mit Wachstum, Internationalität und neuen Formaten wie dem wire & Cable FORUM setzt die wire 2026 weitere Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag