• Skip to main content
  • Skip to secondary menu
  • Zur Hauptsidebar springen

Lebensmittel- & Biotechnologie

Das Fachportal für Lebensmittelindustrie und Biotechnologie

  • Abonnement
  • Impressum
  • Welkin Media Verlag
  • Messekalender
Startseite » Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

Lignin als Ausgangsstoff für bioaktive Moleküle

13. Januar 2026 von Birgit Fischer

Der Holzbestandteil Lignin wird an der Universität Graz als Rohstoff für chemische Synthesewege untersucht. Die Chemikerin Katalin Barta entwickelt Verfahren, mit denen sich aus diesem Nebenprodukt der Holzindustrie gezielt bioaktive Moleküle herstellen lassen. Ausgangspunkt ist die Nutzung vorhandener molekularer Strukturen, um den Energiebedarf chemischer Prozesse zu senken und die Entstehung von Abfällen zu reduzieren.

Katalin Barta von der Universität Graz erhielt 2025 den Zero Emissions Award der alpha+ Stiftung des FWF. Ausgezeichnet wurden ihre Arbeiten zur Nutzung des Holzbestandteils Lignin für die Herstellung bioaktiver Moleküle im Rahmen des FWF-Projekts „WoodValue“. | Foto: FWF/Klaus Ranger
Katalin Barta von der Universität Graz erhielt 2025 den Zero Emissions Award der alpha+ Stiftung des FWF. Ausgezeichnet wurden ihre Arbeiten zur Nutzung des Holzbestandteils Lignin für die Herstellung bioaktiver Moleküle im Rahmen des FWF-Projekts „WoodValue“. | Foto: FWF/Klaus Ranger

Die Arbeiten reichen von der Gewinnung geeigneter Ausgangsmaterialien über neue Synthese- und Katalysemethoden bis hin zur Prüfung biologischer Eigenschaften der gewonnenen Moleküle. Für diesen Ansatz erhielt Barta den Zero Emissions Award der alpha+ Stiftung des Wissenschaftsfonds FWF, der klimarelevante Grundlagenforschung auszeichnet.

Chemische Wertschöpfung aus Holzresten

Lignin ist ein zentraler Bestandteil von Pflanzen und verleiht Holz seine Stabilität. In der Holz- und Papierindustrie fällt es in großen Mengen als Nebenprodukt an und wird bislang nur begrenzt stofflich genutzt. Diese Verfügbarkeit macht Lignin zu einem interessanten Rohstoff für die chemische Forschung, insbesondere im Hinblick auf nachhaltige Produktionsverfahren.

An der Universität Graz wird Lignin gezielt als Ausgangsstoff für die Herstellung bioaktiver Moleküle eingesetzt. Die Arbeiten zielen darauf ab, fossile Rohstoffe zu ersetzen und chemische Prozesse effizienter zu gestalten. Dabei wird nicht nur ein einzelner Reaktionsschritt betrachtet, sondern der gesamte Weg von der Rohstoffnutzung bis zum potenziellen Endprodukt.

Grenzen petrochemischer Produktionsweisen

Ein Großteil heutiger Konsum- und Wirtschaftsgüter basiert auf petrochemischen Verfahren. Kunststoffe, Farbstoffe, Pestizide und pharmazeutische Wirkstoffe werden überwiegend aus Erdöl gewonnen. Diese Prozesse sind technisch ausgereift und wirtschaftlich etabliert, gehen jedoch mit hohem Energieverbrauch und dem Einsatz zahlreicher chemischer Hilfsstoffe einher.

Um aus einfachen petrochemischen Molekülen komplexe Wirkstoffe herzustellen, sind viele einzelne Syntheseschritte erforderlich. Jeder dieser Schritte benötigt Energie sowie Lösungsmittel, Reagenzien und Katalysatoren und erzeugt Nebenprodukte. In der Pharmaindustrie führt dies zu besonders hohen Abfallmengen, was sich im sogenannten E-Faktor widerspiegelt, der dort Werte von bis zu 100 erreichen kann.

Biomasse erfordert angepasste chemische Strategien

Die chemische Verarbeitung von Biomasse, auch als Bioraffinerie bezeichnet, gilt als mögliche Alternative zu fossilen Rohstoffen, ist bislang jedoch häufig kostenintensiv. Nach Einschätzung von Katalin Barta liegt dies daran, dass biogene Materialien oft mit Denkansätzen aus der Petrochemie verarbeitet werden, die ihrer strukturellen Komplexität nicht gerecht werden.

Katalin Barta Weissert von der Universität Graz ersetzt fossile Rohstoffe durch erneuerbare Alternativen aus Holz für „Grüne Chemie“ in der Kunststoff- und Pharmaindustrie. | Foto: Sabine Hoffmann
Katalin Barta Weissert von der Universität Graz ersetzt fossile Rohstoffe durch erneuerbare Alternativen aus Holz für „Grüne Chemie“ in der Kunststoff- und Pharmaindustrie. | Foto: Sabine Hoffmann

Biomasse weist bereits eine hohe molekulare Funktionalität auf. In den Grazer Arbeiten wird diese gezielt genutzt, anstatt sie zunächst abzubauen. Jeder Schritt im chemischen Prozess wird von Beginn an mitgedacht – von der Auswahl der Ausgangsmaterialien über die Synthese bis hin zu Fragen der späteren Weiterverwertung und des Recyclings.

Lignin als natürliche Quelle aromatischer Strukturen

Chemisch besonders relevant ist Lignin aufgrund seines hohen Anteils an aromatischen Verbindungen. Aromaten sind ringförmige Kohlenstoffstrukturen und zentrale Bausteine der organischen Chemie. Sie kommen in zahlreichen Produkten vor, darunter Kunststoffe, Epoxidharze, Farbstoffe, Weichmacher, Pestizide und Arzneimittel.

Während diese Verbindungen bislang fast ausschließlich aus Erdöl gewonnen werden, stellt Lignin die größte natürliche Quelle für Aromaten dar. Als Nebenprodukt der Holzindustrie ist es kontinuierlich verfügbar. Seine hohe Stabilität schützt Holz vor dem Zerfall, stellt die chemische Verarbeitung jedoch zugleich vor besondere Herausforderungen.

Vorhandene Komplexität verkürzt Synthesewege

Der methodische Ansatz von Bartas Arbeitsgruppe besteht darin, die vorhandene molekulare Komplexität von Lignin gezielt zu nutzen. Anstatt einfache Moleküle schrittweise aufzubauen, wird von bereits komplexen Strukturen ausgegangen. Dadurch lassen sich mehrere Reaktionsschritte zusammenfassen oder ganz vermeiden.

Auf dieser Grundlage gelang es, Dopamin, ein bekanntes pharmazeutisches Molekül, aus Lignin herzustellen. Darüber hinaus wurden Verfahren entwickelt, mit denen Moleküle wie Benzoaxine in nur drei Schritten aus Holzspänen oder Hackschnitzeln gewonnen werden können. Auf petrochemischem Weg wären dafür rund 13 Schritte erforderlich, was den Energie- und Ressourcenbedarf erheblich erhöht.

WoodValue: Bioaktive Moleküle aus Holz

Die beschriebenen Arbeiten sind im vom FWF geförderten Projekt „WoodValue: Nachhaltige Wege zu bioaktiven Heterocyclen aus Holz“ gebündelt. Ziel ist die Entwicklung ganzheitlicher chemischer Strategien für Lignin als Ausgangsstoff. Der gesamte Prozess ist auf möglichst wenige Syntheseschritte sowie auf Energie- und Ressourceneffizienz ausgelegt.

Die aus Lignin gewonnenen Moleküle dienen als Ausgangsstoffe für hochwertige Produkte, insbesondere für pharmazeutische Anwendungen. Im Projekt werden sowohl bekannte Wirkstoffe nachgebildet als auch neue Verbindungen erzeugt, deren biologische Eigenschaften weiter untersucht werden.

Biologische Prüfung und weitere Anwendungen

Für die Prüfung der bioaktiven Eigenschaften arbeitet Bartas Forschungsgruppe mit der deutschen Helmholtz-Gesellschaft zusammen. Die dort durchgeführten Untersuchungen konzentrieren sich unter anderem auf antibakterielle und krebsrelevante Wirkungen. Bei einem Teil der bisher getesteten Verbindungen konnten bereits positive Eigenschaften festgestellt werden.

Neben pharmazeutischen Molekülen befasst sich die Forschung auch mit nachhaltigen Polymeren sowie mit waschaktiven Substanzen für Kosmetik- und Reinigungsprodukte. Förderungen durch mehrere ERC Grants sowie einen EIC Transition Grant unterstützen diese Arbeiten, die perspektivisch auch auf industrielle Anwendungen ausgerichtet sind.

Kategorie: Forschung, News Stichworte: Biomoleküle, Dopamin, Lignin, Nachhaltigkeit, Uni Graz

Weitere Nachrichten

Kontaktlose Energieversorgung für FTS in der Intralogistik

Auf der LogiMAT in Stuttgart stellt die Paul Vahle GmbH & Co. KG vom 24. bis 26. März 2026 Lösungen zur Energieversorgung fahrerloser Transportsysteme vor, die für den Einsatz in der Intralogistik entwickelt wurden. Vorgestellt wird ein … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Kontaktlose Energieversorgung für FTS in der Intralogistik

Vetter senkt Treibhausgasemissionen durch erneuerbare Energien

Mit der kontinuierlichen Umstellung auf erneuerbare Energien richtet Vetter die Energieversorgung an seinen Standorten auf die Reduktion der Treibhausgasemissionen aus. Der Pharmadienstleister plant, die absoluten Emissionen bis 2034 um 58,8 Prozent … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin Vetter senkt Treibhausgasemissionen durch erneuerbare Energien

INTEGRA unterstützt Einstieg in die Laborautomatisierung

INTEGRA Biosciences startet ein Preisausschreiben, bei dem ein Labor beim Übergang von manuellem Pipettieren zu automatisierten Pipettierprozessen unterstützt werden soll. Das ausgewählte Labor erhält eine individuelle Einführung in die … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin INTEGRA unterstützt Einstieg in die Laborautomatisierung

PULSEspencer R ermöglicht kontaktloses Low Volume Dispensing

Analytik Jena stellt auf der SLAS 2026 International Conference & Exhibition vom 07. bis 11. Februar neue Automatisierungslösungen für Laborworkflows vor. Zu den gezeigten Systemen zählt der PULSEspencer R, das erste Modell einer digitalen und … [Weiterlesen...] Infos zum Plugin PULSEspencer R ermöglicht kontaktloses Low Volume Dispensing

Haupt-Sidebar

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Newsletter Archiv

Messekalender

  • BIOFACH

    Die BIOFACH 2026, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, findet vom 10. bis 13. Februar 2026 im Messezentrum Nürnberg statt. Als internationaler […]

  • LOPEC Kongress

    Der LOPEC Kongress 2026 findet vom 24. bis 26. Februar 2026 im Messezentrum München statt und gilt als weltweit bedeutendste Kommunikationsplattform […]

  • LOPEC

    Die LOPEC 2026 findet vom 25. bis 26. Februar 2026 in der Messe München statt und gilt als führende internationale Fachmesse mit begleitendem […]

  • EMPACK Dortmund

    Die EMPACK Dortmund 2026 ist die regionale Fachmesse für die Verpackungsindustrie und bietet ein kompaktes Update zu den wichtigsten Innovationen […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Dortmund

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Dortmund 2026 ist die regionale Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss. Im Fokus stehen Produkte, Services und […]

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Österreichische Chemie Zeitschrift und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Colourful Chemistry als Leitmotiv des JCF-Frühjahrssymposiums
    am 10. Februar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Das JCF-Frühjahrssymposium bringt vom 10. bis 13. März 2026 den chemischen Nachwuchs in Köln zusammen. Unter dem Motto Colourful Chemistry stehen Vorträge, Workshops, Austauschformate und die Verleihung des JCF Best Supervisor Award im […]

  • EmpowerDPP: Konzepte und Services zur DPP-Umsetzung
    am 10. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Im Projekt EmpowerDPP entwickeln drei Fraunhofer Cluster of Excellence technische und organisatorische Konzepte zur Umsetzung des digitalen Produktpass, der ab 2027 verpflichtend wird. Darauf aufbauend werden Serviceangebote erarbeitet, insbesondere […]

  • Nordmann erstmals auf der JEC WORLD vertreten
    am 9. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Nordmann ist vom 10. bis 12. März 2026 erstmals auf der JEC WORLD in Paris vertreten. Der Chemiedistributor präsentiert dort sein internationales Portfolio für die Composites-Industrie sowie bestehende und erweiterte Partnerschaften. The post […]

  • SMC Serie LQ3 stärkt Prozesssicherheit durch präzises Fitting
    am 6. Februar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Das Fitting der SMC Serie LQ3 unterstützt die Prozesssicherheit in chemischen Anlagen durch dichte Verbindungen, kontrollierte Montage und eine Konstruktion für aggressive Medien und hohe Reinheitsanforderungen. Der Beitrag SMC Serie LQ3 stärkt […]

  • EcoVadis verleiht Platinmedaille an TOMRA Recycling
    am 6. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    TOMRA Recycling erhält die EcoVadis-Platinmedaille und erreicht 87 von 100 Punkten in der Nachhaltigkeitsbewertung. Damit zählt das Unternehmen zu den besten ein Prozent aller weltweit bewerteten Unternehmen innerhalb der letzten zwölf Monate. […]

  • ACHEMA-Gründerpreis startet in die fünfte Runde
    am 5. Februar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Der ACHEMA-Gründerpreis startet in die fünfte Runde und sucht innovative Gründungsideen für Life Sciences und Prozessindustrie. Bewerbungen sind ab sofort möglich, Finalisten präsentieren sich auf der ACHEMA 2027. Der Beitrag […]

  • EU-Verordnung bringt neue Vorgaben für Kunststoffgranulat
    am 5. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Die EU-Verordnung 2025/2365 bringt neue Pflichten für den Umgang mit Kunststoffgranulat. Ein Webinar am 24.2.2026 der Wirtschaftskammer Österreich informiert über Regelungen, Fristen und Anforderungen entlang der Lieferkette. The post […]

  • Betti Heick verstärkt ab März 2026 den Vorstand von Biesterfeld
    am 4. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Biesterfeld beruft Betti Heick zum 1. März 2026 in den Vorstand der Biesterfeld Group. Die Entscheidung ist Teil eines strukturierten Nachfolgeprozesses und stärkt die strategische Weiterentwicklung in zentralen Märkten und Geschäftseinheiten. […]

  • Michael Hempt übernimmt CEO-Funktion bei Würth Österreich
    am 4. Februar 2026 von Birgit Fischer (Die Chemie Zeitschrift Österreichs)

    Michael Hempt übernimmt mit Jänner 2026 die CEO-Funktion bei Würth Österreich. Der interne Führungswechsel steht für Kontinuität, klare Verantwortlichkeiten und eine strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. Der Beitrag Michael Hempt […]

  • Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Rohstoffsicherheit
    am 3. Februar 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Bei einem Austausch von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft und ecoplus wurden die Rolle der Kreislaufwirtschaft für Rohstoffsicherheit, regionale Wertschöpfung und die erforderlichen gesetzlichen […]

Copyright © 2026 · Welkin Media Verlag