Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB erhält umfangreiche Mittel, um ein Biofabrikationszentrum aufzubauen, das biotechnologische Verfahren für die Herstellung komplexer biologischer Produkte weiterentwickelt. Dazu zählen Gewebe, Organmodelle, zellbasierte Testsysteme und therapeutische Virus-Plattformen, deren kontrollierte und reproduzierbare Herstellung mit biotechnologischen, ingenieurwissenschaftlichen und materialwissenschaftlichen Methoden umgesetzt wird.

Land Baden-Württemberg, Bund und EU investieren gemeinsam in Ausstattung und Geräte, sodass das Biofabrikationszentrum in Stuttgart entstehen kann und bestehende Arbeiten des Fraunhofer IGB vertieft werden. Die Förderung ermöglicht es, Herstellungsprozesse zu untersuchen, zu verbessern und in einer Pilotanlage in skalierbare Lösungen zu übertragen, die in der Biomedizin sowie bei der biotechnologischen Produktion kultivierten Fleisches Anwendung finden.
Biotechnologische Grundlagen des Biofabrikationszentrum
Die Herstellung komplexer biologischer Produkte wie Gewebe, Organmodelle oder zellbasierte Testsysteme bildet einen zentralen Bestandteil der Biofabrikation. Diese Produkte dienen in der modernen Biomedizin als Werkzeuge für die Entwicklung neuer Anwendungen, darunter Ersatz erkrankter Gewebe, Alternativen zum Tierversuch und biotechnologische Produktionsmethoden für kultiviertes Fleisch. Die Biofabrikation verbindet biotechnologische Verfahren mit ingenieurwissenschaftlichen und materialwissenschaftlichen Konzepten, sodass biologische Systeme gezielt weiterentwickelt und reproduzierbar hergestellt werden können.
Am Fraunhofer IGB werden bereits wesentliche Technologien der Biofabrikation aufgebaut. Dazu gehören die Funktionalisierung von Materialoberflächen für den Kontakt mit biologischen Systemen und die Entwicklung zellhaltiger Biotinten, die beim Bioprinting eingesetzt werden. Mit diesen Biotinten entstehen Gewebestrukturen, die Schicht für Schicht gedruckt werden. Ergänzend wird eine Reporter-Haut entwickelt, die als Alternative zum Tierversuch dient und biotechnologische Prüfverfahren erweitert.
Förderung für den Aufbau des Biofabrikationszentrum
Am 12. November 2025 übergab Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg, einen symbolischen Förderscheck an Prof. Dr. Petra Kluger, Institutsleiterin des Fraunhofer IGB. Die Gesamtförderung beträgt 2.999.349 Euro. Davon stammen 1.199.739,60 Euro aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung, ergänzt durch Landeskofinanzierungsmittel von 899.804,70 Euro sowie weitere 899.804,70 Euro aus dem BMFTR. Diese Mittel unterstützen den Aufbau eines Biofabrikationszentrum, das biotechnologische Verfahren und bestehende Kompetenzen des Instituts erheblich erweitert.
Dr. Hoffmeister-Kraut betonte, dass die Verbindung biotechnologischer, ingenieur- und materialwissenschaftlicher Methoden neue Lösungsansätze erzeugt, von denen besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren. Das Biofabrikationszentrum erhält damit eine regionale und überregionale Bedeutung, da es wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen unterstützt.
Biofabrikationszentrum für Biomedizin und Novel Food
Das Biofabrikationszentrum knüpft an bestehende Forschungsarbeiten des Fraunhofer IGB an. Das Institut entwickelt zellhaltige Biotinten für das Bioprinting, funktionalisierte Materialoberflächen für biologische Systeme und eine Reporter-Haut als Alternative zum Tierversuch. Diese Projekte erweitern biotechnologische Verfahren, die für die Entwicklung neuer Gewebestrukturen und Testsysteme notwendig sind. In der Außenstelle »Virus-basierte Therapien« in Biberach werden zudem In-vitro-Modelle aufgebaut, die zur Validierung onkolytischer Viren für die Krebstherapie verwendet werden.
Eine zusätzliche Grundlage entsteht am Institut für Grenzflächenverfahrenstechnik und Plasmatechnologie IGVP der Universität Stuttgart. Unter der Leitung von Prof. Kluger werden dort grundlagenorientierte Fragestellungen der Biofabrikation untersucht. Gleichzeitig unterstützt das IGVP als Partner für funktionelle Fettgewebemodelle die Stuttgart Research Initiative »3R-BioMedicUS – 3R-Modelle für die biomedizinische Forschung« und trägt damit zu einer weiteren Säule des Biofabrikationszentrum bei.
Strategische Ausrichtung des Biofabrikationszentrum
Prof. Kluger bringt mit ihrer Rückkehr an das Fraunhofer IGB biotechnologische Verfahren aus dem Bereich Tissue Engineering und Biofabrikation ein, die sie an der Hochschule Reutlingen aufgebaut hat. Diese Verfahren werden im Biofabrikationszentrum weiterentwickelt und in Kombination mit den vorhandenen Kompetenzen des Instituts in marktorientierte Anwendungen überführt. Dazu gehört auch die Nutzung der Biofabrikationstechniken zur Herstellung kultivierten Fleisches, das im Novel-Food-Markt eine zunehmende Rolle einnimmt.
Kluger weist darauf hin, dass der Ausbau der Biofabrikation das Themenportfolio des Fraunhofer IGB erweitert, neue Kunden und Märkte erschließt und den Forschungs- und Entwicklungsstandort Baden-Württemberg stärkt. Das Biofabrikationszentrum trägt dazu bei, biotechnologische Verfahren gezielt zu fördern und neue Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen.