Neun Partner aus sechs europäischen Ländern arbeiten im EU-Projekt Exquisheat zusammen, um standardisierte Wärmepumpenlösungen für die Dekarbonisierung der Lebensmittel- und Getränkeindustrie zu entwickeln. Das Projekt untersucht industrielle Prozesse und ermittelt Anwendungsfelder, in denen nachhaltige Wärme besonders wirksam eingesetzt werden kann.

Exquisheat ist auf 36 Monate angelegt und wird durch das LIFE Clean Energy Transition Programme gefördert. Die Projektstruktur verbindet technologische Entwicklung, Prozessanalyse, Stakeholder-Einbindung und europaweite Verbreitung und unterstützt zentrale Ziele des Strategic Energy Technology (SET)-Plans sowie des Net-Zero Industry Act.
Arbeitsstruktur, Zielsetzung und Aufbau des Exquisheat-Konsortiums
Das Projekt Exquisheat wurde im Oktober 2025 in Brüssel gestartet und bündelt die Expertise von neun Partnern aus sechs europäischen Ländern. Das Konsortium umfasst Vertreter aller zentralen Stakeholdergruppen, darunter Akteure aus der Lebensmittel- und Wärmepumpenindustrie, Installationsunternehmen sowie Energieexperten und Auditoren, die mit den Marktbedingungen in Europa bestens vertraut sind. Zu den Partnern gehören Veolia, Dr. Jacob Energy Research GmbH & Co. KG, die European Heat Pump Association, die National Energy Conservation Agency, GEA Refrigeration Technology GmbH, das AIT Austrian Institute of Technology GmbH, der Food-Processing Initiative e.V., die Asociacion Cluster Alimentario de Galicia und Clivet S.p.a. Diese Zusammensetzung schafft ein belastbares Fundament für die Entwicklung nachhaltiger Energielösungen und ermöglicht eine umfassende Analyse industrieller Prozesse.
Eine gemeinsame Basis entsteht durch das in der Gruppe vereinte Fachwissen, das darauf ausgerichtet ist, hochwertige und praxistaugliche Ergebnisse zu erzielen. Verbände fungieren zusätzlich als Multiplikatoren und verbreiten Projektergebnisse frühzeitig in ihren Netzwerken, um eine direkte Markteinführung zu ermöglichen. Dadurch entsteht ein Rahmen, in dem technologische und wirtschaftliche Anforderungen eng miteinander verknüpft werden.
Technische Anwendungsfelder und sektorale Relevanz
Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Identifizierung zentraler Anwendungen, in denen Wärmepumpen die größten Effizienzgewinne erzielen können. Dazu gehören Sanitär- und Warmwassersysteme, Pasteurisierung, Verdampfung und Konzentration sowie Kühlung und Kältetechnik. Diese Prozesse zählen zu den besonders energieintensiven Bereichen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie und weisen zugleich ein hohes Potenzial zur Nutzung industrieller Abwärme auf.
Die Auswahl dieser Felder folgt den spezifischen Anforderungen des Sektors, der durch hohen Wärmebedarf, kontinuierliche Produktionsabläufe und ausgeprägtes Abwärmepotenzial geprägt ist. Dadurch wird eine technologische Grundlage geschaffen, die auf breite Anwendbarkeit und Replizierbarkeit abzielt und den Einsatz standardisierter Lösungen in verschiedenen industriellen Umgebungen ermöglicht.
Vernetzung, europäische Ziele und politische Einbettung
Im Projektverbund arbeiten Veolia, Dr. Jacob Energy Research GmbH & Co. KG, die European Heat Pump Association, die National Energy Conservation Agency, GEA Refrigeration Technology GmbH, das AIT Austrian Institute of Technology GmbH, der Food-Processing Initiative e.V., die Asociacion Cluster Alimentario de Galicia und Clivet S.p.a. zusammen. Ergänzend wird eine europäische Roundtable-Plattform eingerichtet, um den kontinuierlichen Austausch zwischen Lebensmittelindustrie und Wärmepumpenherstellern zu fördern und langfristige Kooperationen aufzubauen.
Durch die Verbindung von Technologieentwicklung, Praxisbezug und strategischer Vernetzung trägt Exquisheat zur Umsetzung des Net-Zero Industry Act bei. Dieser sieht vor, bis 2030 mindestens 40 Prozent der klimaneutralen Technologien innerhalb der EU zu produzieren und damit Wettbewerbsfähigkeit, Energieunabhängigkeit und Innovationskraft zu stärken. Die Projektarbeit unterstützt diese Ziele durch konkrete Lösungen für die industrielle Wärmebereitstellung.
Prozessanalyse, Industrieeinbindung und Entwicklung marktreifer Lösungen
Die Analyse industrieller Prozesse bildet einen zentralen Baustein von Exquisheat. Workshops und Interviews mit Vertretern der Lebensmittelindustrie sowie Wärmepumpenlieferanten dienen dazu, Markthindernisse zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln, die die realen Anforderungen widerspiegeln. Dieser iterative Ansatz fördert den Austausch zwischen Anwendern und Technologieherstellern und stellt sicher, dass technische Entwicklungen praxisnah und wirtschaftlich tragfähig sind.
Die Bedeutung des Wärmepumpeneinsatzes hebt Prof. Dr. Uli Jakob, Managing Director JER und Technischer Koordinator des Projekts, hervor: „Nachhaltige Wärme aus Wärmepumpen, die industrielle Abwärme nutzen, wird einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der europäischen Lebensmittelindustrie leisten.“ Die Kombination aus hohem Wärmebedarf, Abwärmepotenzial und kontinuierlichen Prozessen macht die Lebensmittelindustrie zu einem besonders geeigneten Sektor für nachhaltige Wärmebereitstellung.
Werkzeuge, Geschäftsmodelle und langfristige Wirkung
Für eine langfristige Wirkung entwickelt Exquisheat Geschäftsmodelle, Replikationsstudien und benutzerfreundliche Werkzeuge. Dazu gehören praktische Leitfäden und eine Online-Checkliste, die Unternehmen dabei unterstützen, die Machbarkeit der Integration von Wärmepumpen eigenständig zu bewerten. Diese Hilfsmittel erleichtern Entscheidungsprozesse und fördern die Anwendung der entwickelten Lösungen in der industriellen Praxis.
Ergänzend werden umfassende Kommunikations- und Disseminationsmaßnahmen umgesetzt, um die Projektergebnisse europaweit zugänglich zu machen. Durch die Verbindung technischer Entwicklung, industrieller Einbindung und gezielter Verbreitung trägt Exquisheat dazu bei, die Lücke zwischen Forschung und Marktanwendung zu schließen und die Dekarbonisierung der europäischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie nachhaltig zu unterstützen.